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Auf einen Kaffee mit ... Schauspielerin Rebecca Seidel zur Produktion "Prima Facie"

Auf einen Kaffee mit ... Schauspielerin Rebecca Seidel zur Produktion

Am 12. Oktober hat das Gerichtsstück „Prima Facie“ von Suzie Miller Premiere. Bei einer Rhabarberschorle im Café Palaver erzählt die Schauspielerin Rebecca Seidel über den Abend, den sie 1 Stunde und 45 Minuten lang alleine bestreitet.

Worum geht’s in Prima Facie?

Es geht um Tessa Ensler, die sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat und zu einer Top-Anwältin für Sexualstraftäter geworden ist. Im Laufe des Stücks wird sie selber Opfer einer Vergewaltigung und erlebt das Rechtssystem auf einmal von der anderen Seite. Die Tricks, die sie vorher selber bei der Befragung von Zeug:innen angewendet hat, erlebt sie nun am eigenen Leib. Dadurch fallen ihr die Ungerechtigkeiten dieses Systems auf.

Und was sind die Ungerechtigkeiten?

Es geht nicht darum, was wahr ist und was nicht, sondern es geht um die bestmögliche Verteidigung. Fragen wie: „Wenn Sie keinen Sex wollten, wieso waren Sie dann auf Tinder? Wieso haben Sie dann Reizwäsche getragen? Wie kann es eine Vergewaltigung sein, wenn Sie zuvor bereits mit dem Angeklagten intim waren? Wieso haben Sie so lange gewartet, bis Sie die Tat zur Anzeige gebracht haben?“ Es findet eine Täter-Opfer-Umkehr statt, mit einem leider sehr verbreiteten misogynen Blick. Diese Ungerechtigkeiten möchte Tessa durch ihren Prozess benennen – obwohl sie keine großen Chancen auf Erfolg hat und obwohl das Prozedere für sie als Opfer psychisch sehr schmerzhaft ist.

Inwiefern?

Tessa muss ihre Geschichte an verschiedenen Stellen immer wieder erzählen und wird bei den kleinsten Unstimmigkeiten als unglaubwürdig eingestuft. Hinzu kommt, dass zwischen dem Tag, an dem sie die Tat zur
Anzeige bringt, und dem tatsächlichen Prozessbeginn über anderthalb Jahre liegen – eine für sie unerträglich lange Zeit. Der Täter selber bestreitet alles, also steht ihre Aussage gegen seine. All diese Dinge führen
dazu, dass sie sich als Opfer von vornherein in einer Minuslage befindet.

Rebecca Seidel in

Wieso ist es wichtig, dieses Stück auf die Bühne zu bringen?

Weil es leider unglaublich viele Frauen betrifft, jede dritte Frau weltweit wurde schon einmal Opfer sexualisierter Gewalt, über die Hälfte davon im direkten Umfeld. Das Stück dröselt die Täter-Opfer-Umkehr sehr genau auf und macht die Mängel eines juristischen Systems deutlich, das vor langer Zeit und ausschließlich von Männern entwickelt wurde und Veränderungen nur sehr schwerfällig herbeiführt. Beispielsweise ist Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland erst seit 1997 strafbar!

Es ist ein Monologabend, inwiefern ist das eine besondere Herausforderung für dich als Schauspielerin?

Zum einen ist es schön, die Möglichkeit zu haben, einen solchen Entwicklungsbogen zu spielen. Zum anderen ist es vor der Vorstellung auch immer sehr aufregend zu wissen, dass ich ab Betreten der Bühne für knapp zwei Stunden alleine dort sein werde. Es macht einen großen Unterschied, keine Spielpartner:innen zu haben. Dafür entsteht an diesem Abend eine ganz besondere Beziehung zum Publikum!

Die australische Autorin Suzie Miller war selber mehrere Jahre Strafverteidigerin und oftmals mit ähnlichen Fällen vertraut. Daraus erwuchs der Wunsch, etwas im System zu verändern. „Prima Facie“ wurde seit seiner Uraufführung 2019 in Sydney zum Welterfolg. In Deutschland ist es mittlerweile eines der meistgespielten
Theaterstücke.


Prima Facie
von Suzie Miller
Premiere 12.10.2025

Weitere Infos finden Sie hier.