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Theater fast ohne Worte - Regisseur Adrian Figueroa über seine Schauspielinszenierung "Das Mädchen aus der Streichholzfabrik"

Theater fast ohne Worte - Regisseur Adrian Figueroa über seine Schauspielinszenierung

Woher kam deine Idee, einen Film auf die Bühne zu bringen?

Wenn ich auf Stoffsuche gehe, schaue ich immer in alle Richtungen. Zuerst suche ich natürlich nach Theaterstücken, ich lese aber auch Romane oder gucke mir Filme und Drehbücher an. Auf Das Mädchen
aus der Streichholzfabrik bin ich gestoßen, nachdem ich Fallende Blätter, den jüngsten Film von Aki Kaurismäki, gesehen habe. Danach habe ich begonnen, mich mit seinem Werk auseinanderzusetzen, das ich inhaltlich wie formal sehr spannend finde. Das Mädchen aus der Streichholzfabrik von 1990 kam mir dabei besonders aktuell vor. Kaurismäki erzählt darin von Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit, aber auch von einer prekären Arbeitsrealität. Die Filme haben etwas sehr Minimalistisches, von dem ich glaube, dass es auch im Theater
funktionieren kann. Ich suche schon länger nach Geschichten, die mit sehr wenig gesprochenem Text auf der Bühne funktionieren, weil ich viel mit Bildern arbeite. Sprache ist nur ein Bestandteil meines Theaters,
nicht notwendigerweise auch der Ausgangspunkt.

Worin siehst du die Chance eines Theaters ohne Worte?

Da ich das noch nie probiert habe, ist es auch für mich ein Experiment. Ich bin aber überzeugt davon, dass Theater viel mehr als nur Sprache ist. Ich habe Lust, die Sinne zu schärfen und zu gucken, was man alles
non-verbal erzählen kann. Ob am Ende wirklich kein Wort gesprochen wird, kann ich aber noch nicht versprechen. Ganz ohne Sprache hat es auch Kaurismäki nicht geschafft.

Worum geht es in dem Mädchen aus der Streichholzfabrik?

Es geht um Iris, die ein eintöniges, recht hoffnungsloses Leben führt. Sie arbeitet in einer Streichholzfabrik und lebt mit ihrer gefühlskargen Mutter und ihrem desinteressierten Stiefvater zusammen. Ihre Arbeit in der Fabrik ist monoton und eintönig. Sie hat kaum soziale Kontakte. Eines Abends geht sie tanzen, lernt einen Mann kennen und verbringt eine Nacht mit ihm. Sie glaubt, dass sie endlich die große Liebe gefunden hat, wird aber bitter enttäuscht. Schwanger wird sie von dem Mann abgewiesen und in der Folge auch zuhause rausgeworfen. Daraus zieht sie radikale Konsequenzen – vielleicht erstmal so weit. Wir werden den Film natürlich nicht eins zu eins auf die Bühne übertragen.

Was ist daran für dich so aktuell?

Mich interessiert die Geschichte, weil sie im Grunde ein Märchen ist. Ich glaube ans Geschichtenerzählen im Theater, wo man kollektiv den Figuren folgt. Ein Märchen habe ich dort aber noch nicht erzählt. Mich interessiert, dass es so eine einfache Geschichte ist, die aber gleichzeitig von einer empathielosen Gesellschaft erzählt, von Nicht-Kommunikation, davon, was es bedeutet, isoliert und einsam zu sein. Das sind Themen, die mir gerade regelmäßig begegnen. Außerdem geht es um Klassen und prekäres Leben. Damit beschäftige ich mich in meiner Arbeit schon länger. Toll finde ich auch, dass Inhalt und Form bei Kaurismäki gleichwertige erzählerische Elemente sind.

Was macht Aki Kaurismäki wie kein anderer Regisseur?

Was mich an den Filmen wirklich fasziniert, ist, dass sie in dem unglaublichen Unglück und der Tristesse, die sie zeigen, trotzdem Humor haben. Und zwar nicht so, dass man über die Figuren lacht, sondern mit ihnen. Schmerz und Humor gehen bei Kaurismäki Hand in Hand. Das verleiht den Filmen eine Leichtigkeit, die sie sehr poetisch und trotz ihrer Entschleunigung auch sehr zugänglich macht.

Welche Rolle spielt Video in deinen Arbeiten?

Ich bin gleichermaßen Filmemacher wie Theaterregisseur. Video setze ich im Theater ein, um eine zusätzliche Perspektive zu ermöglichen, als Erweiterung der Geschichte. Prinzipiell denke ich sehr filmisch, beispielsweise was Licht, Musik und Übergänge angeht. Trotzdem benutze ich Video als Mittel nur, wenn ich denke, dass dadurch ein Einblick möglich wird, den das analoge Bühnengeschehen in diesemFall nicht gibt.


Das Mädchen aus der Streichholzfabrik
nach dem Film von Aki Kaurismäki
Premiere 14.2.2026