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Nachgefragt

13 Fragen an dei Regieteams

Wie würdest du Karlsruhe charakterisieren?

Jonathan dos Santos Mein Bruder war früher Tänzer am Badischen Staatstheater, ich habe ihn oft besucht. Die Stadt ist für mich eng verbunden mit Familie, Glück und einem Gefühl von Geborgenheit.
Sebastian Hannak Zwischen Fächerstadt und Neuer Welt.

Hast du schon einen Lieblingsplatz?

Raimondo Rebeck Den Schlosspark und den Turmberg in Durlach, von dem aus man im Sonnenuntergang den herrlichen Ausblick auf die Stadt genießen kann.

Worauf freust du dich besonders?

Kristina Paulin Auf die Sommerferien (lacht). Nein, im Ernst: Ich freue mich auf meine neue Kreation Cinderella für unsere Compagnie. Die größte Erfüllung für mich ist die tägliche Arbeit mit den Tänzer:innen im Ballettsaal.

Warum Theater?

Raimondo Rebeck Weil Theater ein riesiges Spielfeld für Kreativität und unsere kühnsten Fantasien ist.
Jonathan dos Santos Schicksal.
Sebastian Hannak Warum nicht?

Wie würdest du deine künstlerische Handschrift beschreiben?

Raimondo Rebeck Empathisch, ehrlich, emotional.
Kristina Paulin Bedeutsam, ausdrucksstark, herzensnah.
Jonathan dos Santos Schnell, intensiv, emotional.

Dein schönstes Toi-toi-toi-Geschenk?

Raimondo Rebeck Die selbst geschriebenen Karten meiner Kinder.
Kristina Paulin Eine Oscar-Statue mit meinem eingravierten Namen für Fellini von unserer Compagnie – in Anlehnung an Federico Fellinis Oscar für sein Lebenswerk. Das werde ich nie vergessen; „mein Oscar“ hat jetzt bei mir zu Hause einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmerregal.

Wann ist ein Theaterabend für dich gelungen?

Kristina Paulin Wenn die Tänzer:innen an das glauben, was sie gerade getan haben, wenn sie mit ihrem ganzen Herzen getanzt haben. Wenn das Publikum auf dem Nachhauseweg immer noch über das nachdenkt, was es gerade auf der Bühne gesehen hat.
Sebastian Hannak Wenn er mich berührt oder ratlos zurücklässt.

Dein Super-GAU?

Raimondo Rebeck Als der Vorhang zu Beginn einer Vorstellung nur 50 cm hochging. Fünf Minuten lang, gefühlt eine halbe Ewigkeit, mussten meine Tänzerkollegen und ich „Fußtanz“ bis zu den Knien improvisieren – bevor der Vorhang zu unserer Erlösung endlich wieder runterging.
Jonathan dos Santos Verletzungen – vor allem, wenn sie kurz vor oder während einer Vorstellung passieren.

Was machst du zwischen den Proben?

Raimondo Rebeck Die Gesamtausgabe von Jean-Paul Sartre im Schlosspark lesen (lacht). Spaß beiseite: Meetings, Büroarbeit, E-Mails, Vorbereitung der nächsten Probe – spektakulär sieht anders aus.
Kristina Paulin Ich beschäftige mich mit meinen nächsten Produktionen. Ich nutze die ruhigen Momente zur Vorbereitung.

Dein theatraler Schlüsselmoment?

Raimondo Rebeck Der Mauerfall im November 1989. Von Ostberlin aus öffnete sich meine theatrale Welt ins Unendliche.
Kristina Paulin Die Zusammenarbeit mit John Neumeier. Er hat meine Sicht auf die Kunst verändert, die Art und Weise, wie ich tanze und choreografiere.

Das Beste an deinem Beruf?

Raimondo Rebeck Die vielen inspirierenden Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen. Und das Privileg, in einer zweiten Welt Dinge und Geschichten erschaffen zu können.
Kristina Paulin Mit den tollen Künstler:innen im Ballettsaal zusammenzuarbeiten, das gemeinsame Kreieren. Sie glauben an mich und ich glaube an sie.
Jonathan dos Santos Dass ich sowohl den Tänzer:innen als auch dem Publikum etwas Sinnvolles bieten kann.
Sebastian Hannak Dass ich mir die künstlerische Freiheit nehmen kann, mich mit nach wie vor relevanten gesellschaftlichen Themen auf der Bühne auseinanderzusetzen.

Was hättest du gerne früher über Theater gewusst?

Kristina Paulin Wie vereinnahmend Theater ist. Da bleibt wenig Zeit für ein Privatleben. Das ist nicht jedermanns Sache. Man kann am Theater nur arbeiten, wenn man es bedingungslos liebt und bereit ist, ihm (fast) alles unterzuordnen.

Wie siehst du die Zukunft des Theaters?

Sebastian Hannak In der beständigen Erneuerung.
Jonathan dos Santos Als einen Ort für alle – einen sicheren und offenen Raum, in dem revolutionäre Werke und einfachere, traditionellere Stücke nebeneinander bestehen können.
Raimondo Rebeck Die Frage, ob das Theater ein Ort bleibt, zu dem alle hinströmen, oder ob Theater überhaupt noch gebraucht wird, stellt sich mir nicht. Die Notwendigkeit des Theaters als Sammelpunkt kulturellen Ausdrucks und Austauschs wird immer gegeben sein. Aber dafür müssen wir uns weiter öffnen hin zu Wissenschaft, Bildung und Erziehung, um Kinder und Jugendliche zu erreichen, das junge Publikum von heute.
Kristina Paulin Theater wird ewig leben. Theater als Kunstform entwickelt sich permanent weiter, ist immer lebendig. Im Gegensatz zum Film, zu einem Roman oder einem Gemälde findet Theater ausschließlich live im Moment des Erlebens statt. Darin liegt seine Unsterblichkeit.

Spartensujet Ballett