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Eugen Onegin

Badische Neueste Nachrichten, Isabel Steppeler, 26.5.2025

Mit „Eugen Onegin“ gelingt dem Badischen Staatstheater ein musikalischer Saison-Höhepunkt.
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Johannes Willig am Pult der Badischen Staatskapelle entfaltet Piotr Iljitsch Tschaikowskys Musik mit Wärme, Leidenschaft und atmender Noblesse.
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So fühlt sich Ohnmacht an – und große Regiekunst auch. Dass Olivia Fuchs ihren Sängerinnen und Sängern Raum lässt, zahlt sich aus. Denn was an diesem Abend auf der Bühne an Stimmen aufblüht, berührt mit großer Intensität.
Jenish Ysmanov als Lenski: So jung, so idealistisch, so tragisch – und so betörend gesungen, (…).
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Kihun Yoon ist ein Onegin wie aus dem Libretto gemeißelt. (…) Ein klug durchdrungener, stimmlich starker Onegin.
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Pauliina Linnosaari ist eine Tatjana mit Herz, Haltung und goldener Stimme. Ihr Sopran ist der einer jungen Frau mit Tiefgang und Mut zur Sehnsucht.
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Marie-Sophie Janke als Olga (…) findet (...) im Verlauf zu stimmschöner Präsenz.
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Insgesamt entsteht ein Ensemblegeist, der diesen Abend trägt – fast, als ob sich die Stimmen gegenseitig befeuern. Verlässliche Stützen: Barbara Dobrzanska als Larina und Christina Niessen als Filipjewna geben ihren Rollen mit Wärme, Ruhe und Bühnenpräsenz jenen Halt, den es braucht, damit das Gefühlsdrama nicht ins Schweben gerät.
Konstantin Gorny als Fürst Gremin betritt die Bühne spät. Just in dem Moment, als man denkt, mehr geht nicht, kommt er – und stellt die Welt nochmal auf den Kopf. Mit tiefer Musikalität und einer Stimme wie gereifter Bordeaux verströmt der russische Bass Lebensklugheit und Zärtlichkeit.
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Eleazar Rodriguez bringt als Monsieur Triquet ein feines Moment ironischer Brechung in den Abend. Auch der Badische Staatsopernchor (Leitung: Marius Zachmann) trägt entscheidend zur Kraft des Abends bei. Klanglich präsent, szenisch präzise geführt, ist er nicht bloß Masse, sondern Mitspieler.
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Manchmal genügt ein einziger Abend, um sich wieder daran zu erinnern, warum wir Oper lieben. Dieser war so einer.


Die Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 31.5.2025

Die Neuinszenierung des ‚Onegin´ ist szenisch und musikalisch überzeugend.
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[Tomohiro Takada] singt mit sicher geführtem und klangschönem Bariton einen gewiss energischen, aber keineswegs nur rohen Lebemann.
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Mit prachtvollem, aber zu ausdrucksvollen lyrischen Gesangslinien fähigen Tenor ist Jenish Ysmanov eine hervorragende Besetzung für den Lenskij.
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Der schon erwähnte Konstantin Gorny macht mit prägnanter Diktion und großer Präsenz aus der Arie des Fürsten Gremin einmal mehr eine Glanznummer.
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Florence Losseau singt jugendlich frisch die Olga, souverän geben Barbara Dobrzanska als Larina und Christina Niessen als Amme Filipjewna ihren Partien Profil.
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Pauliina Linnosaari gibt [Tatjana] eine berührende Gestalt, gerade weil sie so völlig pathosfrei singt und spielt. Ihr Gesang hat Tiefe und Empfindung, ist aber immer sehr klar in den Konturen und überlegt ausgestaltet.
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Am Pult der geschmeidig spielenden Badischen Staatskapelle bringt der Erste Kapellmeister Johannes Willig den gefühlvoll-melancholischen Grundton der Musik Tschaikowskys absolut unsentimental und unaffektiert, dafür aber sehr ehrlich und empfindungsreich zur Wirkung.
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Die Inszenierung von Olivia Fuchs, die erstmals am Staatstheater arbeitet, erzählt in Bühnenbild und Kostümen von Nicola Turner die Geschichte sehr eindringlich und unverzerrt, aber nicht vordergründig naturalistisch.
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Lyrische Szenen‘ nennt der Komponist sein Bühnenwerk. Das heißt, es geht hier mehr um intensive Momentaufnahmen als um eine stringente Handlung. Genau diese spezielle Dramaturgie wird in der neuen Karlsruher Inszenierung sehr treffend umgesetzt.


bachtrack.com, Christoph Wurzel, 2.6.2025

Berührender Eugen Onegin in Karlsruhe
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Sehr genau haben die Regisseurin Olivia Fuchs und die Bühnenbildnerin Nicola Turner am Badischen Staatstheater Karlsruhe dieses Libretto gelesen und erhellend herausgearbeitet, wie Glückshoffnungen sich in großes Unglück verwandeln, weil die Rollenmuster der Frauen sich fatal fortsetzen. Symbolisch eindrucksvoll versinnbildlicht in einem Wald aus geflochtenen Seilen, der im Hintergrund das Einheitsbühnenbild prägt.
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In psychologisch genauer Charakterzeichnung richtet die Regisseurin ihr Augenmerk auf die Personen. Und es reichen mitunter kleine Gesten, um einer Figur deutlich Charakter zu geben. [...] Wir sehen Kostüme aus der Handlungszeit der Oper und opulente Arragements vor allem des großartig singenden Chores für die Feste und Bälle, die den gesellschaftlichen Rahmen der Handlung bilden. So besticht die Inszenierung durch eine wunderbare Verbindung von geradezu klassischer Ausstattung mit einer modernen Sichtweise auf die Konstellationen der Handlung.
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Mehr Charakter gewinnt Jenish Ysamov als Lenski mit schönem lyrischem Timbre und großer Ausdrucksintensität. Seine Arie über die verlorenen Träume der Jugend wird in ihrem Ausdruck von Trauer und Schmerz zu einem der Höhepunkte des Abends.
Grandios aber ist Pauliina Linnosaari als Tatjana. Wie sie die fordernde Briefszene meistert, ist hinreißend, wobei sie von Johannes Willig am Pult kräftig unterstützt wird. So entsteht ein überaus subtiles musikalisches Seelenportrait im Auf und Ab des Gefühlswirrwarrs der Figur; eher parlierend in der Selbstreflexion, aber in einem herrlichen Fluss beim Formulieren des Brieftextes bis hin zum Durchbruch mutiger Entschlusskraft.
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Lebensfroh, aufgeschlossen und temperamentvoll erscheint Olga, die von Florence Losseau mit jugendlich frischer Stimme höchst sympathisch gesungen wird. Und mit Barbara Dobrzanska steht als Larina eine Sopranistin auf der Karlsruhe Bühne, die hier noch nie enttäuscht hat. Gleiches gilt für Konstantin Gorny, der mit profundem Bass altmeisterlich dem Fürsten Gremin Gestalt gibt. [...] Eleazar Rodriguez glänzt mit dem lobhudelnden Couplet des französischen Partygasts Triquet als aufgeblasener Geck.
Johannes Willig leitet das Orchester außerordentlich subtil, trifft den emotionalen Gehalt der Musik mit großer Empathie, schafft immer wieder große Steigerungen, die er gleichermaßen schlüssig in Ruhephasen zurückführt. Die Staatskapelle findet stets die richtige Farbe, wunderbar stechen immer wieder markant die Einzelstimmen heraus. Eine Orchesterleistung von großer und schöner Klangintensität.

Zur vollständigen Rezension


Pforzheimer Zeitung, Gerhard Tetzlaff, 28.5.2025

Wenn die Gutsbesitzerin Larina (prägnant Barbara Dobrzanska) zu Beginn mit der Amme über entgangene Liebesfreuden sinniert, dann zeichnet sie unbewusst das Schicksal ihrer Töchter vor: Die unbeschwerte Olga (Mari-Sophie Janke mit pastoser Tiefe) wird ihren Verlobten im Duell verlieren und auch der in sich versunkenen älteren Tatjana wird kein Glück beschieden sein.
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Das übertrieben karnevalesk gezeichnete Treiben, bei dem der affektierte Triquet (mit geschmeidiger Höhe Eleazar Rodriguez) [Tatjana] huldigt, wird zum Schauplatz eines Streits zwischen Onegin und seinem Freund Lenskij (mit kraftvollem lyrischen Tenor Jenish Ysmanov), der auf Onegin wegen seiner Verlobten Olga eifersüchtig wird.
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Konstantin Gorny, seit vielen Jahren eine Stütze des Karlsruher Ensembles, gestaltet seine Arie ohne Larmoyanz und mit einer leichten Brüchigkeit seines Basses, die der Rolle durchaus angemessen ist.
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Kihun Yoon singt Onegin mit seinem kraftvoll-differenzierten Bariton, der die Arroganz des Ewig-Gelangweilten ebenso wie die Verzweiflung des Mörders seines Freundes transportiert. Pauliina Linnosaaris Tatjana ist ein weiterer Glanzpunkt der hochklassigen Karlsruher Premiere: Mit ihrem jugendlich-dramatischen Sopran gestaltet sie nicht nur eine exzellente Briefszene, sondern überzeugt auch als Fürstin Gremin, die ihrer Liebe zu Onegin entsagt. Neben der über weite Strecken schlüssigen, in ihrer Personenführung ansprechenden Inszenierung können auch der zuverlässige Staatsopernchor und die unter der Leitung von Johannes Willig packend musizierende Badische Staatskapelle sich der anhaltenden Begeisterung des Publikums sicher sein.


NMZ, Isabel Herzfeld, 30.5.2025

Ihr Konzept manifestiert sich im Bühnenbild Nicola Turners (auch Kostüme), das mit einem wahren Dickicht von Haaren, Fäden, Be- und Verstrickungen symbolisiert. (…) Fuchs deutet dies nicht nur als gesellschaftliche Bindungen, sondern auch als Wurzeln, die unser Leben bestimmen, denen wir nicht entkommen können.
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Am überzeugendsten ist hier die unkomplizierte Olga, beweglich und mit schlankem Mezzo von Marie-Sophie Janke dargestellt, wenn sie Lenskis Werben kühl-kokett in die Schranken weist und der verträumten Schwester Tatjana die Bücher versteckt.
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Der Schmerz der zurückgewiesenen Tatjana liegt Linnosaari viel besser, die Würde der zu Ehren gelangten Fürstin, die ihrerseits nun Konvention lebt, sowieso.
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Die Figur des Lenski ist dafür vom Anfang bis zum bedauerlich frühen Ende rundum gelungen […]. Jenish Ismanov erfüllt jeden Ton so lebendig, verströmt so natürlich tenoralen Schmelz, dass man sich weder bei ungerechten Vergleichen ertappt noch soviel Emotion mit Skepsis begegnet.
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Die Duell-Szene, oft bloß schauerromantisch mit viel Nebel angelegt, wird (...) zum packenden Zentrum des Dramas: So weit kann es kommen, wenn man Konventionen unhinterfragt befolgt.


Termine

Diese Produktion wird am 22.5.2026 zum letzten Mal aufgeführt.

Zum letzten Mal
19:00 Einführung
 Freitag, 22.5., 19:30 - 22:30

Großes Haus
ML Willig; Larina: Ks. Dobrzanska, Tatjana: Linnosaari, Olga: Losseau, Filipjewna: Niessen, Eugen Onegin: Ks. Takada, Lenskij: Ysmanov, Fürst Gremin: Ks. Gorny, Triquet: Ks. Wohlbrecht, Saretzkij: Polesciukas, Ein Hauptmann: Webster, Vorsänger: van der Plas, Guillot: Liu

Tickets

57,00 - 17,00 Euro

Besetzung