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Die Hitze und das Recht

Theater heute, Björn Hayer, 30.4.2025

Was auf den ersten Blick allzu didaktisch anmutet, (…) entfaltet im Laufe des Abends eine fesselnde Wirkung. Zum einen aufgrund des wendungsreichen, komödiantisch hoch ambitionierten Spiels der Ensemblemitglieder (u.a. Heisam Abbas, Gunnar Schmidt und Michel Brandt), zum anderen aufgrund einiger sehr berührender Augenblicke. Ganz vorne dabei der Auftritt einer Darstellerin im Kostüm des ausgestorbenen Dünnschnabel-Brachvogels. Während Nebel und Vollmond symbolisch Dämmerungsstimmung erzeugen, bringt der Vogel so nachdenklich wie mahnend das Paradox auf den Punkt: Wir betrauen zeitintensiv arbeitende Gerichte mit einem Problem, dessen Lösung keine Zeit mehr zulässt (…).
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Ganz gewiss ist jedoch, dass es für dieses Stück keinen besseren Zeitpunkt hätte geben können. Unmittelbar nachdem die neue Regierung ihren Koalitionsvertrag vorgestellt hatte, der weit hinter die gesetzten Ziele der Klimaneutralität zurückfällt, trumpft Karlsruhe mit diesem politischen Weckruf auf. Die Inszenierung macht mit ihrer schwierigen Gerichtsmaterie keinen Hehl daraus, auch eine Zumutung sein zu wollen (…). Aber sie ist notwendig und handwerklich überzeugend durchkomponiert.

 


Badische Neueste Nachrichten, Jens Wehn, 14.4.2025

Die Uraufführung im Studio des Staatstheaters war ein Erfolg für das Ensemble und das Duo „Futur II Konjunktiv“, gebildet aus dem Regisseur Johannes Wenzel und dem Autor Matthias Naumann. Mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen zeigte das Publikum sein Gefallen.
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Geballte Wucht entfaltet das Stück ab etwa der Hälfte, in der die Folgen dieses Spiels zur Katastrophe werden, in der unter anderem der Geist des im letzten Jahr ausgestorbenen Dünnschnabel- Brachvogels seine Klage in die Welt schreit. Ute Baggeröhr gibt dem eine ungeheure Wucht: Sehenswert.


taz, Björn Hayer, 14.4.2025

„Die Hitze und das Recht“ [avanciert] zum brisanten Werk der Stunde.
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Beginnend mit ersten Prozessen in den 80er Jahren bis hin zum wegweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz zeichnen die Schauspieler:innen (Ute Baggeröhr, Antonia Mohr und andere) planspielartig sämtliche Verhandlungen und politischen Winkelzüge nach, und dies mit reichlich Witz und Sarkasmus.
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Unter den spezifischen Typen ragt insbesondere die Anwältin für Umweltrecht heraus, die uns mit Verve die Komplexität der juristischen Auseinandersetzungen vor Augen führt.
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Moralische Dilemmata, verschleppte Weichenstellungen, Egoismus und natürlich die irreversiblen Konsequenzen für Tiere, Pflanzen und Menschen bilden sich zuletzt in einem großen Knäuel aus beigefarbenen Seilen (Bühne: Tine Becker) ab. Zum einen zeigt dieses Bild, wie schwierig der ganze Diskurs buchstäblich zu entwirren ist, zum anderen, wie unser aller Alltagsverhalten unmittelbar mit Klima und Umwelt verstrickt ist. Getragen wird dieses Arrangement von einem ingeniösen Ensemble und Text (…).


Termine

Die Spielstätte Insel befindet sich nicht im Badischen Staatstheater, sondern am Karlstor (Karlstr. 49b).

 Sonntag, 22.3., 19:00 - ca. 20:45

Insel, Karlstr. 49b

Tickets

18,00 Euro / erm. 9,00 Euro

 Sonntag, 12.4., 19:00 - ca. 20:45

Insel, Karlstr. 49b

Tickets

18,00 Euro / erm. 9,00 Euro

Besetzung