Badische Neueste Nachrichten, Christiane Lenhardt, 14.7.2025
Singende Herzensbrecher
Hinreißende Premiere über die Comedian Harmonists am Staatstheater Karlsruhe: Männerstimmen, Witz und Nostalgie entfachen in Karlsruhe das Harmonists-Fieber.
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Das Badische Staatstheater hat seine nostalgisch angehauchte Hommage an die Comedian Harmonists in der gleichnamigen Musikkomödie ganz unprätentiös, aber wirkungsvoll auf die Bühne gebracht.
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Wie sehr diese Arrangements und Schlager jener Zeit heute noch verfangen, hat man am Samstagabend am Premierenpublikum gesehen, das von Anfang an begeistert mitgegangen ist.
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Damit der Sound annähernd so herrlich klingt und die Geschichte rund wird, hat das Staatstheater zu ihren Opernstimmen noch zwei Spezialisten dazugeholt: Horst Maria Merz als Pianisten verpflichtet, ein Karlsruher, der seit mehr als 20 Jahren bei den „Berlin Comedian Harmonists“ reüssiert. Und „Fallers“-Star Robert Besta, früheres Ensemblemitglied des Staatstheaters, lockert als Impresario mit Berliner Schnauze die ganze Chose auf. Der Musiktheater-erfahrene Regisseur Tobias Ribitzki hat all die hinlänglich bekannten Lieder und biografischen Überlieferungen einer knapp achtjährigen Bühnenkarriere der Comedian Harmonists, die 1935 unter dem Druck der nationalsozialistischen Rassenpolitik aufgelöst werden mussten, zu einem Unterhaltungsabend mit Revue-Anleihen mit Niveau verknüpft. Ribitzki, auch für die kleinen charmanten Choreografie-Einlagen zuständig, hält das Tempo hoch. Schlag auf Schlag wechseln sich die Hits mit leichtem Komödienanteil. Die funktionale, wandelbare Bühnenausstattung (Stefan Rieckhoff) mit Projektionen im Stil Berliner Art-déco-Theater und die Drehbühne kurbeln die vielen Aufritte zwischen Bühnen und Proberaum an. Sinnbildlich für das Auf und Ab zwischen Selbstzweifel, unvermeidbarem Aufstieg und tragischem Aus.
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Das Comedian-Harmonists-Fieber grassiert wirkungsvoll, steckt das Publikum im voll besetzten Großen Haus an und ist doch so schwer zu entfachen.
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Vor allem machen (…) Aco Bišćević, Ben Connor, Edward Lee, David Severin und Daniel Pastewski diese locker gestrickte Neuinszenierung am Ende der Karlsruher Theatersaison zum sehenswerten Meisterstückchen. Mit deftigen Anekdötchen aus dem Vorkriegs-Berlin würzt Robert Besta die Handlung: erheitert in wechselnden Rollen (als Zimmerwirtin in Kittelschürze, als Theaterprinzipal oder Musikagent) das Handlungskaleidoskop. Stimmlich perfekt aufeinander eingespielt, hat jeder der Harmonists eine ganz eigenwillige Note: Ben Connor „trompetet“ wie ein ganzes Blasorchester. Daniel Pastewski holt aus tiefstem Keller die „coolsten“ Töne und die trockensten Witze. David Severin ist das Herzchen mit jiddischer Seele und kräftigem Bariton. Edward Lee als sprachbegabter Lebemann Collin bringt das schizophrene jener düsteren Zeit verletzlichsten nahe. Auch der oft herausstechende Tenor Aco Bišćević, sprengt die Gruppe nicht und mimt den Schwerenöter selbstironisch. Es endet fast wie bei den glanzvollen Konzerten von damals, als stürmischer Beifall bei den Comedian Harmonists an der Tagesordnung war. Anhaltender Beifall, begeistertes Mitklatschen und sogar Ovationen im Stehen am Ende der zweieinhalbstündigen Aufführung: Die neu formierte „Boygroup“ des Staatstheaters mit Schmelz in der Stimme ist bei der Premiere von enormem Applaussegen getragen worden.
Die Rheinpfalz, Birgit Möthrath, 14.7.2025
Die Produktion kommt mit einer sparsamen und doch effektvollen Ausstattung (Stefan Rieckhoff) aus.
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Wer noch einmal einen ganzen Abend lang in den musikalisch und textlich gewieften Gassenhauern der Weimarer Zeit, den heiteren, oft aber auch ein wenig melancholischen Schlagern schwelgen möchte, dem sei die Inszenierung ans Herz gelegt. Das Sextett kommt nah an den Sound und Charme des Originals heran (…).
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Das Karlsruher Publikum wird gewahr, dass es mit seinem Jubel plötzlich Teil der Aufführung ist.
Termine
Donnerstag, 8.10., 19:30 - ca. 22:15
Großes Haus
Im Anschluss Autogrammstunde im Neuen Entrée
ML Merz: Asparuch "Ari" Leschnikoff: Bišćević, Harry Frommermann: Connor, Erich Abraham Collin: Lee, Roman Joseph Cycowski: Severin, Robert Biberti: Pastewski, Erwin Bootz: Merz, Hans: Besta
58,00 - 17,00 Euro
Großes Haus
Im Anschluss Autogrammstunde im Neuen Entrée
ML Merz: Asparuch "Ari" Leschnikoff: Bišćević, Harry Frommermann: Connor, Erich Abraham Collin: Lee, Roman Joseph Cycowski: Severin, Robert Biberti: Pastewski, Erwin Bootz: Merz, Hans: Besta
58,00 - 17,00 Euro