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Lohengrin

Opernwelt, Bernd Künzig, 1.1.2026

Der Heerrufer (markant gesungen von Tomohiro Takada) hetzt als Propagandist der Macht die Masse zum Krieg gegen die Ungarn und drängt Lohengrin seine Führerrolle auf. Mirko Roschkowski stellt einen zaudernden Selbstzweifler dar. Für diese Rollendisposition hat er die passende Stimme: kein heldisch auftrumpfender, sondern ein lyrischer Tenor, dem das Reflektierende näher liegt das Behauptende. Die dämonische Gegenspielerin Ortrud (messerscharf gesungen von Dorothea Spilger) ist selbst eine Traumatisierte.
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Dann ist da noch das Volk, fabelhaft gesungen und gespielt vom Badischen Staatsopernchor (...).
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Manuel Schmitt gelingt eine hochreflektierte Deutung mit starken Bildern und einer eindringlichen Personen- und Chorregie – eine Tragödie über Kunst und Politik, die gerade diesem Werk Wagners eingeschrieben ist. Konsequent wird dieser Zwiespalt reflektiert, doch nicht als Theater des erhobenen Zeigefingers, sondern als hoch spannender Kunst- und Politkrimi. Die Interpretation von Georg Fritzsch am Pult der Badischen Staatskapelle passt dazu. Es ist ein elektrisierender, akzentuierender Zugriff auf die Partitur mit ihrer Spannung zwischen Traum, Intimität und Klangmasse: die Holzbläser mit feinster Diktion, das Blech abgründig strahlend, die Streicher samtig.
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Eine perfekte Symbiose von Szene und Musik. Ein Meilenstein der Interpretationsgeschichte dieser heiklen Oper. 


Opéra Magazine, Laurent Barthel, 3.2.2026

Das Staatstheater Karlsruhe kann auf eine über 150-jährige Wagner-Tradition zurückblicken, die kontinuierlich gepflegt wird, die von Dirigenten wie Hermann Levi und Felix Mottl, die schon früh mit Bayreuth in Verbindung standen, begründet wurde. Diese Affinität zeigt sich auch in diesem Lohengrin, der von Georg Fritzsch meisterhaft dirigiert wird.
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Eine weitere Leistung ist, dass diese Produktion - mit Ausnahme der Titelrolle vollständig von den Sängern des Ensembles übernommen wird. Zunächst sei Barbara Dobrzanska genannt, die 2002 nach Karlsruhe kam. Dort hat sie zunächst in Puccini-Rollen begeistert und ist seitdem geblieben. Ein Viertel Jahrhundert später ist die Klangfarbe der polnischen Sopranistin metallischer geworden, aber ihre unerschütterliche Technik ermöglicht es ihr, nun eine vorbildliche Ortrud zu singen.
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Schließlich eine Entdeckung: die Eleganz des deutschen Tenors Mirko Roschkowski, ein Lohengrin, dessen Ausstrahlung eher an Mozart als an Wagner erinnert und dessen außergewöhnliche Stimmgewalt nur in der „Gralserzählung” an ihre Grenzen stößt. Ein Hauch von Müdigkeit macht sich dann bemerkbar, der jedoch die Glaubwürdigkeit der Figur noch unterstreicht. Denn in der intelligenten Inszenierung von Manuel Schmitt ist Lohengrin eher ein Antiheld, eine anonyme Figur, die zunächst in Zivilkleidung inkognito im Saal sitzt.
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Bemerkenswert intelligent ist die Bühnenausstattung, die zunächst von Entwürfen von Emil Preetorius (genau genommen für den Lohengrin von Bayreuth 1936) inspiriert ist und sich dann sichtbar zu einer pseudo-antiken Schlichtheit der zeremoniellen Versammlungen des Nationalsozialismus entwickelt. Keine Hakenkreuze oder Hitlergrüße, sondern klare Analogien, die uns auf beunruhigende Weise ansprechen, in einer Zeit, in der die ewige Neigung der Massen, sich dem ersten vorgeblichen Beschützer zu Füßen zu werfen, wieder an Macht gewinnt.


Das Opernglas, J.-M. Wienecke, 1.1.2026

Schmitts Stärke lag darin, Maß zu halten, den Bogen nicht zu überspannen: manches anzudeuten, anderes klar zu markieren, in präziser, tiefenscharfer und spannungsreicher Personenregie – das kam beim Publikum gut an.
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[Mirko Roschkowskis] einfühlsam, tiefgründig gesungener Lohengrin bestach durch fein modellierte Bögen und vorbildliche Deklamation. [...] Auch die Gralserzählung gelang mit hoher Stimmkultur; die „Taube“ sang er – wie man es sich wünscht – zurückgenommen und mit innigem Tenorschmelz. Das hatte große Klasse.
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Dank Ulrich Wagners subtiler Einstudierung stand ihm ein bestens vorbereiteter, klangmächtiger Staatsopern- und Extrachor zur Verfügung, der sich szenisch zudem stark gefordert sah.
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Der Spiegel, den Schmitt der deutschen Geschichte – und damit dem Publikum – vorhielt, rüttelte auf und entfachte im Anschluss kontroverse Diskussionen. Damit erreichte er sein Ziel (...).
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Julius Theodor Semmelmanns Bühnenästhetik der Dreißigerjahre, unterstützt durch Carola Volles kongeniale Kostüme, war in ihrer Deutlichkeit unübersehbar (...).
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„Wehret den Anfängen“ war die unverkennbare Botschaft des Abends.


Badische Neueste Nachrichten, Isabel Steppeler, 17.11.2025

Spannend und musikalisch überwältigend: Karlsruher "Lohengrin"-Inszenierung zeigt Parallelen zur NS-Zeit

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Manuel Schmitts „Lohengrin“-Inszenierung ist ein klug gebauter Abgrund aus Anziehung und Verblendung, die bewusst Fragen offen lässt. Sie zeigt, wie leicht und blind eine Gemeinschaft ihren Heilsbringer formt – und ihm zu Füßen fällt. Schon das erste noch etwas schablonenhafte Bild, ein Gerichtssaal mit Schreibmaschine, Adlerrelief und Kostümen zwischen 19. Jahrhundert, 1930er Jahren und Gegenwart, verschiebt die Zeitachsen: Diese Geschichte ist kein Märchen, sie ist ein palimpsesthaftes Gedächtnis Deutschlands. Konstantin Gorny gibt dazu einen machtbewussten, dunkel konturierten König Heinrich, der die Szene mit wohlgesetzter Autorität erdet.
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Pauliina Linnosaari findet [für Elsa] ein zunehmend berührendes Klangbild: zunächst behutsam, noch tastend, später mit warmem lyrischem Kern, der im zweiten und dritten Aufzug über sich hinauswächst und glühend strahlt.
Bevor der ersehnte Ritter erscheint, kommt ein anderer: ein gebrochener „Schwan“. Der Statist Philipp Hohner spielt berührend diese stumme Rolle des halbnackten Mannes, dessen zerrupfte Flügel – mehr Äste denn Federn – wie stumme Zeugnisse eines Missbrauchs wirken.
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Roschkowski singt einen hellen, metallisch klaren Lohengrin, der weniger auf Schmelz setzt als auf Präsenz und Wahrhaftigkeit. Sein „Durch Gottes Sieg“ gelingt mit strahlender Spitze, und doch bleibt er ein Fremder, dem die eigene Verehrung unheimlich ist.
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Kihun Yoon spielt und singt [Telramund] so wuchtig, verzweifelt, textklar, dass man ihm in jedem Moment die Wut und Verzweiflung mitfühlt. Dorothea Spilger als Ortrud ist sein dunkles Echo, ein vokaler Stachel, der Gift mit Grandezza mischt. Beide werden – trotz äußerer Anmutungen der 1930er – nicht zu Schablonen. Schmitt zeigt vielmehr, wie eine Gesellschaft Figuren formt, die kein Hinterfragen zulassen.
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Das stärkste Bild aber entsteht kurz vor Schluss: Unten der gebrochene Schwan, über ihm der brennende Reichsadler, flankiert von Fackelträgern wie in einer choreografierten Pogromnacht. In der Mitte ein Grab, das an Richard Wagners Ruhestätte in Bayreuth erinnert – überhöht mit Kränzen, überlagert von Missbrauch und Mythos.
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Fritzsch formt das Orchester in diesen Momenten zu einem atmenden Organismus: geschmeidig, präzise, von großer musikalischer Zivilisation – bis hin zur Gralserzählung, in der Roschkowski seine glühende Stimme beim Wort „Taube“ so zart zurücknimmt, dass einem das Herz stehen bleiben möchte, um dann wieder jäh anzuschwellen in seiner Enttäuschung – ein Moment von berührender Schönheit.
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Wer diesen Abend gesehen hat, spürt, dass er zu den seltenen gehört, die etwas verschieben – im Hören, im Denken, im Sehen. Der beste Karlsruher Wagner seit vielen Jahren. Und wohl einer der spannendsten „Lohengrin“, die man derzeit erleben kann.


SWR Kultur am Morgen, Bernd Künzig, 17.11.2025

Entsprechend besetzt ist Pauliina Linnosaari eine eher gereifte Elsa im Herrschaftsgefüge als die Verkörperung jugendlicher, märchenhaft-träumerischer Unschuld. Es ist eine starke, selbstbewusste Stimme, (…).
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Der stimmlich in mächtiges Schwarz gehüllte Kihun Yoon lässt sich dabei nicht brechen und leistet Widerstand.
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Der Heerrufer – markant gesungen von Tomohiro Takada – hetzt als Propagandist der Macht die Masse zu König Heinrichs Krieg gegen die Ungarn und drängt Lohengrin seine Führerrolle auf. Mirko Roschkowski ist der zögerliche Selbstzweifler und für diese Rollendisposition der Regie hat er auch die passende Stimme: kein heldisch auftrumpfender, sondern ein lyrischer Tenor, dem das Reflektierende mehr liegt als das Behauptende. Eine ungemein feinsinnige Gestaltung einer Gestalt, die in der Tat aus einer anderen Welt als dem des blechgestärkten Polit- und Kriegsdramas stammt und sich immer an der Grenze des Zerbrechlichen entlang bewegt. Die dämonische Gegenspielerin Ortrud, messerscharf gesungen von Dorothea Spilger, ist selbst eine Traumatisierte. Ein Familienporträt zeigt sie mit Telramund und einem Kind, das sie am Ende als verwesenden Säugling aus dem Sarg holen wird. Die kaputt gegangene Macht- und Erbfolge.
Dann ist da noch das Volk, der fabelhaft singende und spielende Badische Staatsopernchor. Die manipulierte, aus einer Nachkriegszeit in die nächste blutige Auseinandersetzung gehetzte Masse.
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Manuel Schmitt gelingt eine komplexe, zugleich hochreflektierte Deutung des „Lohengrin“ mit starken Bildern, eindringlicher Personen- und Chorregie, eine Tragödie über Kunst und Politik, die gerade dieser Oper des revolutionären Wagners eingeschrieben ist. Ein „Hier gilt’s der Kunst“ ist mit Wagners Werk kaum zu haben. Konsequent reflektiert diese Inszenierung den Zwiespalt dieser erzromantischen Oper. Ein Theater des erhobenen Zeigefingers ist das nicht, sondern eine hochspannende Sichtweise als Kunst- und Politkrimi.
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Die Lesart von Georg Fritzsch am Pult der Badischen Staatskapelle ist dazu passgenau. Es ist ein elektrisierender, akzentuierter Zugriff auf Wagners Partitur mit ihrer Spannung zwischen Traum, Intimität und Klangmasse. Die Holzbläser mit allerfeinster Diktion, das Blech abgründig strahlend und die Streicher samtig. Der geladenen Spannung entspricht die kluge Tempobalance, nie verschleppt, nie überhetzt. Eine perfekte Symbiose von Szene und Musik. Die Dialektik dieses Werks lässt sich eben kaum vermeiden: Die musikalische Schönheit des Klangwunders geht einher mit dem zugleich heraufbeschworenen Nationalpathos, das so missbrauchsanfällig ist. Die Karlsruher Produktion zeigt das klug durchdacht, lässt es auch hören und damit gelingt ihr ein Meilenstein in der Interpretationsgeschichte dieser heiklen Oper. Genau darin liegt ihre Größe.


Die Deutsche Bühne, Martina Jacobi, 17.11.2025

Am Badischen Staatstheater Karlsruhe legt Manuel Schmitt den Fokus seiner „Lohengrin”-Inszenierung auf die Entzauberung des Richard Wagner-Mythos und die Gefahren autoritärer Herrschafts- und Gehorsamsstrukturen. Ein symbolstarkes Bühnenbild, ein tolles Ensemble sowie Orchester machen den Abend zum Erlebnis.
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Die Gefahren autoritärer Machtstrukturen und von blindem Gehorsam stellt Manuel Schmitt in Karlsruhe in den Mittelpunkt.
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Die Masse macht Lohengrin zur Lichtgestalt und besingt genauso auch Elsa zur reinen Unschuldsperson. Elsa selbst – Pauliina Linnosaari als nuanciert-klar singende, zigarettenrauchende, emanzipierte Person – will sich nicht in die ihr zugedachte Rolle der Mutter und Ehefrau fügen. Die Anklageschrift über den vorgeworfenen Brudermord liest sie erstmal gründlich durch. Kammersänger Tomohiro Takada sorgt in der im (Gottes-)Gerichtssaal spielenden Szene mit gebührend dröhnendem Bariton derweil lustig-herumwuselnd als Heerrufer für Ordnung. Denn der König – mit klarer Linienführung dargestellt von Kammersänger Konstantin Gorny – schwächelt als schon etwas senil gewordener Anführer.
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Schmitt legt die Figuren auf dem Spektrum komplexer Persönlichkeiten vielschichtig an. Die leider wenig antiquierte Frage um eine Herrschaftsfolge und vergeltungssinnende Motive von Ortrud und Telramund zeugen von der Stück-Aktualität. Friedrich von Telramund – Kihun Yoon spielt seinen Fall vom vertrauten Helden zum Aussenseiter als er durch Lohengrin an der Spitze des Heeres abgelöst wird anrührig elend und selbstmitleidend, gleichzeitig passend dramatisch überzeugend ausgesungen – man kann sympathisieren.
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Unter GMD Georg Fritzsch untermalt die Badische Staatskapelle nicht nur hier mit differenziertem Klang das Ensemble, nie zu überreizt mit feinen Zwischenfarben. Der rasende Telramund und die kühl-besonnene, gleichzeitig hitzige Ortrud (Dorothea Spilger facettenreich dramatisch) finden sich hier schließlich in böser Verführung und schmieden ihren Racheplan. Ihr Duo zeugt bebend-spannungsreich und mit düsterem Ernst von ihren zerrissenen Seelen.
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Die Wagner-Entzauberung wird im dritten Akt mit gesteigerter Symbol- und Spannungs-Wucht fortgeführt. Am Grab (Wagners) steht der Mobb – der von Ulrich Wagner wunderbar einstudierte Chor – nun komplett indoktriniert in Reih und Glied mit Armbinden und vereinheitlichter Uniform.
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Schmitts Lesart zeigt, wie „Lohengrin“ aktualitäts- und kontextbezogen inszeniert werden kann und selbst ohne veränderten Librettotext eine kritische Einordnung gelingt. Ein ja zu Wagner, aber auch ein klares Ja zum historischen und Rezeptionskontext in einer Inszenierung, bei der die viereinhalb Stunden wie im Flug vergehen.



Die vollständige Rezension lesen Sie hier.


Die Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 18.11.2025


Die vierte Einstudierung im Bätzner-Bau bot interessantes szenisches Konzept und eine sehr eindrucksvolle musikalische Einstudierung.
Der Regisseur Manuel Schmitt deutete das Werk im Bühnenbild von Julius Theodor Semmelmann und den Kostümen von Carola Volles gleichsam ganz säkular. Als sozusagen Metaphyische wurde ausgeblendet. Der Gral ist – Richard Wagner. 
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Wider jeglichen Führerkult: Das ist eine Botschaft der Inszenierung. Lohengrin ist hier einer von uns, (...). Gottfried, der Knabe (gespielt von Phillip Hohner), der hier als etwas zerrupfter Schwan mehrfach auftaucht, sucht ihn scheinbar willkürlich aus. Zum Ritter, Helden und Heerführer macht ihn dann erst eine verführbare Masse.
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Der erste Akt mit dem Gottesgericht spielt hier wirklich in einem Gerichtssaal. Im zweiten wird das Bühnenbild der Bayreuther Aufführung 1936 zitiert. Der Regisseur verknüpft also sehr viele Ansätze miteinander in einer durchaus ideenreichen und dramaturgisch schlüssigen Weise.
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Musikalisch ist der neue Karlsruher „Lohengrin“ großartig.
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Pauliina Linnosaari singt ebenso ausdrucksvoll und nuancenreich wie klar und konsequent in der Textdeklamation. Dorothea Spilger gibt eine furiose Ortrud mit einer ungebrochenen dramatischen Intensität. Sie weiß mit volltönendem Timbre und tragendem Volumen ihre Partie sängerisch auf beste und zwingende Weise zu modellieren. Mirko Roschkowski ist ein sehr lyrischer, hell und leicht singener Lohengrin, der entsprechend viele subtile Töne hat, aber in der Gralerzählung auch strahlen kann.
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Als König Heinrich setzt Konstantin Gorny abermals seine Stimmkraft und gestalterische Präsenz effektiv ein. Mit baritonaler Fülle und sicherer Linienführung überzeugt Tomohiro Takada als Herrufer. Kihun Yoon ist ein eminent leidenschaftlicher Telramund.
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Generalmusikdirektor Georg Fritzsch bietet eine faszinierende Wiedergabe der Partitur Wagners – vom ersten A-Dur-Akkord des Vorspiels an. Dieses lässt er ganz flüssig und innerlich belebt, aber zugleich voller Aura und Klangschönheit musizieren. Der Dirigent entfaltet das Werk im Folgenden mit großer Klarheit und Übersicht, immer sehr schlüssig disponiert und mit packenden dynamischen Entwicklungen und Steigerungen. Dazu gibt es schöne Details und Übergänge. Ein Wagner ohne falsche Übertreibungen, der in keinem Takt unterbelichtet ist und die Partitur mit großer Überzeugungskraft zur Wirkung bringt.
Vorzüglich singen die Chöre.


bachtrack.com, Christoph Wurzel, 18.11.2025

Das ist mal ein Coup im neuen Lohengrin in Karlsruhe. [...] Ein Nobody will Elsas Retter sein! Das wirkt zuerst befremdlich, doch bald wird klar, der Regiekniff hat Methode. Er öffnet Wagners romantischer Oper eine neue Dimension. Dieser Mann ohne Namen ist kein Schwanenritter, der aus mystischem Nebel kommt, sondern jemand aus der Realität. Fortan muss man sich von hergebrachten Lohengrin-Bildern verabschieden. Vielmehr öffnet die Inszenierung Fenster in neue Perspektiven auf diese Oper, die aber allesamt vom Text gedeckt sind. Den hat das Regieteam genau gelesen und schaut mit scharfsichtigem Blick in zwei Richtungen: auf die Opernhandlung selbst und auf deren Rezeption.
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Eine Dekontaminierung war also fällig, ähnlich wie es in Bayreuth 2008 mit Parsifal (Herheim) und mit den Meistersingern (Kosky) 2017 geschah.
Schleichend rutscht Brabant hier ins Totalitäre ab. Sehr klug gehen Manuel Schmitt (Regie), Julius Theodor Semmelmann (Bühne) und Carola Volles (Kostüme) dabei vor. Nichts wird hier direkt zur NS-Kulisse, die Bilder sind NS-konnotiert, aber doch nur Anmutungen, die allerdings im Laufe der Handlung immer deutlicher werden. Es sind die Massenszenen, in denen das Hineingleiten in eine formierte Gesellschaft gezeigt wird.
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Und das Bühnenbild mutiert allmählich zur Architektur von Albert Speer. Im dritten Akt marschieren alle im Stechschritt und heben den Arm zu etwas Ähnlichen wie dem deutschen Gruß. Alles beklemmend genug, doch abgemildert mit einer Portion Ironie.
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Mirko Roschkowski singt die Rolle mit wunderschön heller, aber nicht sehr großer Stimme, die nicht forcieren muss und im Lyrischen sehr anrühren kann.
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Pauliina Linnosaari aus dem Karlsruher Ensemble stellt Elsa schlüssig dar.
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Profiliert ist auch das Paar der Widersacher gezeichnet. Telramund (Kihun Yoon im Eifer mit teils überschlagender Stimme) scheint schwach und daher aggressiv, Dorothea Spilger bleibt cool und zynisch, ihr Mezzo ist stark und energisch. Sie ist das eigentliche Machtzentrum des Bösen in dieser Gesellschaft.
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Vergessen wir auch nicht den Chor, der prachtvoll singt wie immer in Karlsruhe.
Und aus dem Graben kommen zauberhafte Klänge. GMD Georg Fritzsch erschafft im Vorspiel eine makellose Linie von ausgemachter Schönheit. Im Dramatischen hat der Klang viel Energie, doch im Pathetischen – vielleicht mit Absicht – einen Schuss zu viel.


Die vollständige Rezension lesen Sie hier.


Pamina Magazin, Christine Gehringer, 20.11.2025

Der neue Karlsruher Lohengrin ist politisch: Es geht um charismatische Führerfiguren und um ein Volk, das einen „Erlöser“ herbeisehnt. Insgesamt ist die Inszenierung von Manuel Schmitt sehr gelungen, und die Produktion überzeugt auch musikalisch.
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In [Manuel Schmitts] Inszenierung wird das Volk instrumentalisiert, es wird seinerseits zur verführbaren Masse – doch die Projektionsfläche ist Lohengrin selbst, und zwar ganz bildhaft, als er mitten aus dem Volk heraus erwählt und danach stark vergrößert (dank Lichtregie) an die Bühnenwand projiziert wird.
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Genau das wird zum weiteren zentralen Element dieser Inszenierung: Zweifeln und Hinterfragen ist verboten. So ist das nunmal in Diktaturen. Telramund, Ortruds Gatte, wird kahl geschoren und angegriffen; das alles erinnert an die Drangsalierungen durch Schlägertrupps in Terror-Regimes.
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Es ist eine starke, vor allem symbolträchtige Bildersprache, die niemanden kalt lassen kann. Die Regie vereint hier mehrere Ebenen des Dramas, und dass dies nicht völlig widerspruchsfrei vonstatten geht, ist verständlich. Dennoch gelingt hier eine rundum schlüssige Lesart.
Die gelingt auch Georg Fritzsch und der Badischen Staatskapelle im Orchestergraben (der einzelne Protest aus dem Publikum ist nicht nachvollzuvollziehen) – und zwar mit einem hochauflösenden Klangbild; etwa mit Bläsern, die sich hervorragend mit den Sängern mischen und ihnen Tiefe geben.  (…)  Das Vorspiel zum dritten Akt funkelt, und als sich düster und unheilvoll der zweite Akt ankündigt, diesmal zum Zitat von Winifred Wagner, einer glühenden Hitler-Verehrerin – da schaudert es einen.
Elsas „Einsam in trüben Tagen“ fehlt es zwar an Legato-Zauber – doch mit ihrem warmen und zugleich leuchtkräftigen, schlackenlosen Sopran gibt Pauliina Linnosaari dieser Rolle im Laufe des Abends immer mehr Charakter.
Ihr dramatischer Gegenpart ist Dorothea Spilger als Ortrud; ihre stählerne Stimme zeigt eine „Rache“-Intensität, vor der man sich in Acht nehmen muss. Ihr zur Seite agiert ein Friedrich von Telramund, den Kihun Yoon zu einer der konturstärksten Figuren des Abends macht: Er ist der Getriebene, und sein abgründiger Bariton, oft nahe am Sprechgesang, wirkt bisweilen gefährlich. Einen Lohengrin mit Noblesse zeigt Mirko Roschkowski mit seinem feinen, lyrischen Tenor. (...)
Mit Autorität agieren Konstantin Gorny (König Heinrich) und Tomohiro Takada (Heerrufer des Königs), hervorzuheben sind auch die jungen Sängerinnen der Singschule Cantus Juvenum als Edelknaben – doch ein besonders großes Lob geht an den Staatsopernchor und den Extrachor (Ulrich Wagner): Hier erlebt man eine stimmgewaltige Menschenmasse, die sich bisweilen in einen gefährlichen Wahn hinein zu singen scheint. Eine Masse, vor der man sich fürchten muss.

Eine unbedingte Empfehlung ist diese Produktion (…).


Das Opernmagazin/opernmagazin.de, Alexandra und Phillip Richter, 24.11.2025

Regisseur Manuel Schmitt rückt Themen wie Führerkult, die fatale Korruption einer Gesellschaft und die Vergänglichkeit politischer Systeme – insbesondere antidemokratischer und menschenverachtender Systeme – ins Zentrum seiner Produktion.
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Ästhetisch jedoch balanciert Schmitt geschickt zwischen einer gewissen Verallgemeinerung – im Sinne, dass viele Systeme nach einem Schema F steigen und fallen – und einer sehr deutlichen Kritik an der NS-Ideologie.
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Mirko Roschkowski als Lohengrin ist ein Anlass, für diese Aufführung auch eine weitere Anreise nach Karlsruhe auf sich zu nehmen. […] Für den Wagnergesang ist Roschkowski eine Offenbarung.
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Der Generalmusikdirektor Georg Fritzsch führte seine Badische Staatskapelle mit dichtem, schlanken Klang, welcher dem Ensemble, und besonders der feinfühligen Stimme Mirko Roschkowskis den ihre notwendigen Raum zur Entfaltung gab. […] So berührte Fritzschs Interpretation besonders in den ruhigeren, intimen Momenten des Musikdramas mit magisch, sehnsuchtsvollen Klängen. Der Badische Staatsopernchor, verstärkt durch den Extrachor, brillierte in gewohnter Qualität und war szenisch präsent durch sein glaubhaftes Spiel.
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Pauliina Linnosaari glänzte als Elsa mit klarer, heller Sopranstimme und stand in starkem Kontrast zur dämonisch, wie charakterstarken Ortrud von Ks. Barbara Dobrzanska, beide mit starker Bühnenpräsenz. Kihun Yoon zeichnete mit schwarzer Baritonstimme einen sehr wuchtig, überaus aggressiven, dennoch etwas unverständlichen Telramund.
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Manuel Schmitts Lohengrin zeigt, wie schnell und fatal eine vulnerable Gesellschaft mit einer starken Führerpersönlichkeit aufsteigen, aber auch selbstzerstörerische Kräfte entfalten kann. Der Wunsch nach einem Führer, einem Erlöser, spielt dabei eine zentrale Rolle. Dieser Lohengrin in Karlsruhe wird so zu einem exemplarischen Ausdruck kollektiver Wünsche und Ängste – mit all seinen Möglichkeiten, aber ebenso seinen verheerenden Folgen.


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wochenblatt-reporter.de, Marko Cirkovic, 23.11.2025

Unter Generalmusikdirektor Georg Fritzsch entfaltet die Badische Staatskapelle im Vorspiel zu Richard Wagners Lohengrin einen geradezu entrückten Zauber: Hauchfein und mystisch aufsteigend lassen die Violinen einen himmlischen Gralsklang erahnen. Behutsam weben sich nach und nach weitere Instrumente in diesen filigranen Teppich aus Tönen. Die Klangschichten legen sich übereinander und steigern sich allmählich zu strahlender Orchesterpracht. Ein spannungsvoller Bogen spannt sich vom kaum hörbaren Pianissimo hin zum ersten machtvollen Tutti des Abends – und bereits diese erhabene Einleitung zeugt von feinstem musikalischem Empfinden. […] Wenn sich dann im zweiten Akt die dramatische Handlung verdichtet, blüht der Orchestergraben klanglich auf: Plötzlich entfalten sich machtvolle Steigerungen, schmetternde Blechbläserfanfaren und bebende Crescendi, doch zugleich bleiben die zahlreichen Details stets hörbar. Das Orchester strahlt, erzittert und lebt nun mit voller Intensität – ein vielschichtiger, dynamischer Klangrausch, technisch souverän und emotional packend umgesetzt.
[...]
Nicht minder beeindruckend zeigt sich der Badische Staatsopernchor. Wuchtig, homogen und zugleich fein nuanciert präsentiert sich der Chor, was in den großen Ensembleszenen zu einem monumentalen, vielschichtigen Gesamtklang führt. In brausender Machtentfaltung wie in getragener Feierlichkeit überzeugt die chorische Wucht voll und ganz. Jeder Einsatz sitzt präzise; die kollektive Stärke der Stimmen bleibt dennoch transparent und textverständlich. So wird jeder Auftritt des Chores zu einem musikalischen Ereignis für sich – wunderbar.
[...]
Die eigentliche dunkle Macht des Abends geht jedoch von Ortrud aus. Kammersängerin Barbara Dobrzanska gestaltet diese Partie so fulminant, dass man die Oper für einen Augenblick gedanklich in „Ortrud“ umbenennen möchte. Dobrzanskas Sopran besitzt jene gefährliche Mischung aus gleißender Helle und dunkel glühendem Untergrund, die diese Figur braucht: In den hohen Lagen schneidet ihre Stimme mit beinahe kalter Brillanz durch Chor und Orchester, in der Mittellage und Tiefe schimmert ein herb-dramatischer Kern, der Ortruds Zynismus und Fanatismus hörbar macht. […] Mit dieser energiegeladenen, emotional vibrierenden Interpretation beherrscht Dobrzanska jede Szene, in der sie auftritt – ein böses, strahlendes Faszinosum, dem man sich kaum entziehen kann.


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 Samstag, 30.1., 16:00 - ca. 20:40

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