Die Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 9.2.2026
Die Oper des französischen Komponisten ist wahrlich eines der singulärsten Werke des Musiktheaters im 20. Jahrhundert, in der Tonsprache keine Avantgarde natürlich, aber eine der wahrhaftigsten und deshalb intensivsten Opern überhaupt.
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Zu den ergreifendsten Schlussszenen der Operngeschichte gehören auch die letzten rund acht Minuten der Oper.
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Regie führt in Karlsruhe Andrea Schwalbach. Im Bühnenbild von Anne Neuser und den Kostümen Britta Leonhardts verlegt sie das Geschehen gleichsam in die Gegenwart und verzichtet auf alle pittoresken Elemente. Die Schreckensherrschaft und der dort allherrschende Terror sind durch einen Gerichtssaal als deren Tribunal ständig präsent. Die Repräsentanten der Revolution sind kalt und unbarmherzig. Die Regisseurin konzentriert sich auf die Frauen und auf deren Verhältnis zu- und Solidarität untereinander. Die geistlichen Momente treten dabei in den Hintergrund, wesentlich werden die sozusagen menschlichen Dimensionen der Dialoge. Dabei gelingen der Regisseurin immer wieder starke Einstellungen und einfühlsame Porträts der Frauen, vor allem der Blanche und Constance.
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In Karlsruhe ist die Oper nicht nur in [der Schlussszene] aber in einer musikalisch überaus eindrucksvollen Weise zu erleben. Der Erste Kapellmeister Johannes Willig gibt der Partitur ein sehr klares und prägnantes Profil. Der vielfarbige Klang des Orchesters wird ideal vergegenwärtigt und die dynamische Spannweite des Musizierens ist sehr groß. Der Dirigent wird im Programmheft unter anderem mit der Aussage zitiert, die Musik biete einen schonungslos ehrlichen Blick auf das Leben und die Menschen. Genau das macht er mit seiner Einstudierung deutlich. Eine starke Leistung!
Die wenigen Sänger, so Armin Kolarczyk als prägnanter Marquis de la Force oder Brett Sprague als lyrisch getönter Chevalier de la Force, vor allem aber die Sängerinnen folgen ihm dabei konsequent. Mit Tara Erraught ist die Partie der Blanche sehr prominent besetzt. Die fulminante irische Sängerin bietet ein ungemein glaubwürdiges und sängerisch in jeder Phrase ausdrucksvoll modelliertes Rollenbild. Anastasiya Taratorkina aus dem hauseigenen Ensemble ist eine emphatische und mit großer innerer Bewegung singende Constance.
Melanie Lang macht unbedingt aus der Todesszene der Priorin ergreifendes Musiktheater. In der Rolle der Mère Marie zeigt Dorothea Spilger wieder ihre zwingende dramatische Gestaltungskraft. Als Madame Lidoine überzeugt einmal mehr Ann-Beth Solvang durch die expressive Kraft ihres jugend-dramatischen Soprans.
Auch Christina Niessen als Mère Jeanne, Katharina Bierweiler als Soeur Mathilde und Klaus Schneider als Beichtvater prägen ihre Partien.
Badische Neueste Nachrichten, Rüdiger Krohn, 25.1.2026
Dirigent Johannes Willig steuert markante Akzente und Farben bei und spielt den Facettenreichtum der opulenten Partitur zwischen greller Dramatik, schroffer Brutalität und beseelter Innigkeit eindringlich aus.
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In der Gruppe der Karmelitinnen tut sich die grandiose Sopranistin Tara Erraught als anrührende Blanche hervor, die ihren Part vor allem sängerisch zu einer bewegenden Studie seelischer Not und Zerrissenheit ausgestaltet. Ihr zur Seite und als heiteres Gegenstück bleibt Anastasiya Taratorkina stimmlich wie darstellerisch als vorzügliche Soeur Constance in Erinnerung. Auffällig sind in der langen Reihe der frommen Schwestern daneben namentlich Ann-Beth Solvang als dominante Priorin Lidoine, Dorothea Spilger als mitfühlende Mère Marie und Melanie Lang als qualvoll sterbende Madame de Croissy.
PAMINA Magazin, Christine Gehringer, 28.1.2026
Mutige Frauen in dunkler Zeit
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Ein eindrucksvolles Zeugnis der Standhaftigkeit, musikalisch packend umgesetzt.
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Eines der stärksten Bilder ist ein Gerichtssaal, der das Kloster umschließt: Das Gebäude ist nur angedeutet, es bleibt nach allen Seiten hin einsehbar – die Schwestern sitzen sozusagen unter ständiger Beobachtung vor einem Tribunal.
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Dass Poulencs Oper in Karlsruhe zum musikalischen Erfolg wird, ist in erster Linie den Solistinnen zu verdanken, die es großartig verstehen, die jeweiligen Charaktere lebensecht darzustellen: Es ist ein erschütternder Todeskampf, an dem etwa Melanie Lang (als Priorin Madame de Croissy) die Zuschauer teilhaben lässt. Weich und mütterlich agiert ihre Nachfolgerin Madame de Lidoine (Ann-Beth Solvang); ihre lyrischen Gesangslinien vermitteln eine tiefe Frömmigkeit. Christina Niessen gibt Mère Jeanne eine natürliche Autorität; entschlossen und konsequent handelt Dorothea Spilger als Mère Marie, ihr stählerner Mezzosopran gibt Zeugnis davon.
Mit Klarheit verkörpert Tara Erraught die Protagonistin Blanche de la Force, schwankend zwischen Furcht und tiefem Glauben, und ihre geschmeidige Stimme wechselt dabei mühelos bis ins feinste Pianissimo. Einen hellen Kontrast dazu bildet die junge Soeur Constance: Der glockige Sopran und der leichte Plauderton von Anastasiya Taratorkina vermitteln jugendliche Begeisterung und eine überströmende Freude am Klosterleben im allgemeinen.
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Auch die männlichen Rollen überzeugen - etwa mit Armin Kolarczyk als Marquis de la Force, Brett Sprague (als Chevalier de la Force), Klaus Schneider (als Beichtvater) oder Christian Noel Bauer in der Mehrfach-Rolle als Thierry, Dr. Javelinot und Kerkermeister. Ergänzt werden die Solistinnen schließlich durch die Damen des Chores (Einstudierung: Marius Zachmann); die letzte Szene, der Gang zur Hinrichtung, ist ein ergreifendes Glaubenszeugnis – auch mit menschlichen „Zwischentönen“ wie Trauer oder Angst.
Fazit: Empfehlenswert, auch mehrmals.
Termine
Diese Produktion wird am 7.5.2026 zum letzten Mal in dieser Spielzeit aufgeführt.
Sonntag, 15.2., 16:00 - ca. 19:00
Großes Haus
ML Willig; Le Marquis de la Force: Ks. Kolarczyk Blanche: Erraught, Le Chevalier de la Force: Sprague, Madame de Croissy: Lang, Madame Lidoine: Solvang, Mère Marie de l'Incarnation: Seibel, Soeur Constance de St. Denis: Taratorkina, Mère Jeanne de l'Enfant-Jésus: Niessen, Soeur Mathilde: Bierweiler, Der Beichtvater des Karmel: Ks. Schneider, 1. Offizier / 2. Kommissar: Chen, 1. Kommissar: Cepreaga, Kerkermeister / Thierry / M. Javelinot Christian: Bauer
57,00 - 17,00 Euro
Mittwoch, 11.3., 19:30 - ca. 22:30
Großes Haus
ML Willig; Le Marquis de la Force: Ks. Kolarczyk, Blanche: Erraught, Le Chevalier de la Force: Sprague, Madame de Croissy: Lang, Madame Lidoine: Linnosaari, Mère Marie de l'Incarnation: Spilger, Soeur Constance de St. Denis: Taratorkina, Mère Jeanne de l'Enfant-Jésus: Niessen, Soeur Mathilde: Bierweiler, Der Beichtvater des Karmel: Ks. Schneider, 1. Offizier / 2. Kommissar: D. Lee, 1. Kommissar: Cepreaga, Kerkermeister / Thierry / M.: Bauer
52,00 - 15,00 Euro
Samstag, 14.3., 19:30 - ca. 22:30
Großes Haus
ML Willig; Le Marquis de la Force: Ks. Kolarczyk, Blanche: Jerosme, Le Chevalier de la Force: Sprague, Madame de Croissy: Lang, Madame Lidoine: Linnosaari, Mère Marie de l'Incarnation: Spilger, Soeur Constance de St. Denis: Taratorkina, Mère Jeanne de l'Enfant-Jésus: Niessen, Soeur Mathilde: Bierweiler, Der Beichtvater des Karmel: Ks. Schneider, 1. Offizier / 2. Kommissar: D. Lee, 1. Kommissar: Cepreaga, Kerkermeister / Thierry / M. Javelinot: Bauer
57,00 - 17,00 Euro