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Dialogues des Carmélites

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 17.2.2026

Musikalisch ist das ein extrem wirkungsvolles Musiktheater.
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Das ebenfalls großbesetzte, aber filigran vorgehende Orchester und die Stimmen bleiben über Stunden in einer perfekten Balance.
Schwalbachs Inszenierung fügt sich zudem ganz hinein in den Musikfluss, immer wieder aber überraschend. Entweder geht die Musik von Bild zu Bild unmittelbar weiter. Pausiert sie, dreht sich stattdessen die Bühne oder die Frauen bewegen sich. Oder nichts tut sich, aber alles wartet gespannt. Klatschend kommt man nur mit äußerster Rücksichtslosigkeit dazwischen. Schon das ist den Aufwand dieser feinziselierten Aufführung wert.
Ein Kloster, faszinierend, ist zu keinem Zeitpunkt zu sehen, der Altar immer improvisiert. Was Anne Neuser auf die Drehbühne gestellt hat, zeigt im größten Ausschnitt eher eine Art Gerichtssaal. Weitgehend stumme, gelegentlich hämische Männer im gedeckten Behördenzivil unserer Tage sehen hier von ihren Plätzen rundherum den Karmeliterinnen zu, die so von vornherein nicht alleine sein dürfen.
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Melanie Lang zeigt eine Sterbende, wie man sie auf der Opernbühne selten zu sehen bekommt, für uns alle, denen noch etwas bevorsteht, schreit sie ihre Gottverlassenheit heraus. Dass der Arzt als einer der übelwollenden Männer keine Hilfe ist, erscheint krass, ist aber effektvoll, um zu demonstrieren, wie existenziell die Nonnen auf sich gestellt sind.
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Die Nonnen schwören sich auf einen Märtyrertod ein, Musik und Text und Spiel zeigen das als zutiefst individuellen Vorgang, verstärkt durch die Alltagskleidung, die ihnen aufgezwungen wird. Britta Leonhardts Kostüme machen jetzt auch die stilleren Frauen sichtbar, neben den ohnehin quirligen, darunter Anastasiya Taratorkina als hinreißende Constance.
Für das Ende, wenn die Musik 16 Mal das Fallbeil niederstürzen lässt, muss die Regie noch eine Idee haben. Schwalbachs ist atemberaubend.


Die Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 9.2.2026

Die Oper des französischen Komponisten ist wahrlich eines der singulärsten Werke des Musiktheaters im 20. Jahrhundert, in der Tonsprache keine Avantgarde natürlich, aber eine der wahrhaftigsten und deshalb intensivsten Opern überhaupt.
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Zu den ergreifendsten Schlussszenen der Operngeschichte gehören auch die letzten rund acht Minuten der Oper.
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Regie führt in Karlsruhe Andrea Schwalbach. Im Bühnenbild von Anne Neuser und den Kostümen Britta Leonhardts verlegt sie das Geschehen gleichsam in die Gegenwart und verzichtet auf alle pittoresken Elemente. Die Schreckensherrschaft und der dort allherrschende Terror sind durch einen Gerichtssaal als deren Tribunal ständig präsent. Die Repräsentanten der Revolution sind kalt und unbarmherzig. Die Regisseurin konzentriert sich auf die Frauen und auf deren Verhältnis zu- und Solidarität untereinander. Die geistlichen Momente treten dabei in den Hintergrund, wesentlich werden die sozusagen menschlichen Dimensionen der Dialoge. Dabei gelingen der Regisseurin immer wieder starke Einstellungen und einfühlsame Porträts der Frauen, vor allem der Blanche und Constance.
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In Karlsruhe ist die Oper nicht nur in [der Schlussszene] aber in einer musikalisch überaus eindrucksvollen Weise zu erleben. Der Erste Kapellmeister Johannes Willig gibt der Partitur ein sehr klares und prägnantes Profil. Der vielfarbige Klang des Orchesters wird ideal vergegenwärtigt und die dynamische Spannweite des Musizierens ist sehr groß. Der Dirigent wird im Programmheft unter anderem mit der Aussage zitiert, die Musik biete einen schonungslos ehrlichen Blick auf das Leben und die Menschen. Genau das macht er mit seiner Einstudierung deutlich. Eine starke Leistung!
Die wenigen Sänger, so Armin Kolarczyk als prägnanter Marquis de la Force oder Brett Sprague als lyrisch getönter Chevalier de la Force, vor allem aber die Sängerinnen folgen ihm dabei konsequent. Mit Tara Erraught ist die Partie der Blanche sehr prominent besetzt. Die fulminante irische Sängerin bietet ein ungemein glaubwürdiges und sängerisch in jeder Phrase ausdrucksvoll modelliertes Rollenbild. Anastasiya Taratorkina aus dem hauseigenen Ensemble ist eine emphatische und mit großer innerer Bewegung singende Constance.
Melanie Lang macht unbedingt aus der Todesszene der Priorin ergreifendes Musiktheater. In der Rolle der Mère Marie zeigt Dorothea Spilger wieder ihre zwingende dramatische Gestaltungskraft. Als Madame Lidoine überzeugt einmal mehr Ann-Beth Solvang durch die expressive Kraft ihres jugend-dramatischen Soprans.
Auch Christina Niessen als Mère Jeanne, Katharina Bierweiler als Soeur Mathilde und Klaus Schneider als Beichtvater prägen ihre Partien.


Badische Neueste Nachrichten, Rüdiger Krohn, 25.1.2026

Dirigent Johannes Willig steuert markante Akzente und Farben bei und spielt den Facettenreichtum der opulenten Partitur zwischen greller Dramatik, schroffer Brutalität und beseelter Innigkeit eindringlich aus.
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In der Gruppe der Karmelitinnen tut sich die grandiose Sopranistin Tara Erraught als anrührende Blanche hervor, die ihren Part vor allem sängerisch zu einer bewegenden Studie seelischer Not und Zerrissenheit ausgestaltet. Ihr zur Seite und als heiteres Gegenstück bleibt Anastasiya Taratorkina stimmlich wie darstellerisch als vorzügliche Soeur Constance in Erinnerung. Auffällig sind in der langen  Reihe der frommen Schwestern daneben namentlich Ann-Beth Solvang als dominante Priorin Lidoine, Dorothea Spilger als mitfühlende Mère Marie und Melanie Lang als qualvoll sterbende Madame de Croissy.


PAMINA Magazin, Christine Gehringer, 28.1.2026

Mutige Frauen in dunkler Zeit
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Ein eindrucksvolles Zeugnis der Standhaftigkeit, musikalisch packend umgesetzt.
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Eines der stärksten Bilder ist ein Gerichtssaal, der das Kloster umschließt: Das Gebäude ist nur angedeutet, es bleibt nach allen Seiten hin einsehbar – die Schwestern sitzen sozusagen unter ständiger Beobachtung vor einem Tribunal.
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Dass Poulencs Oper in Karlsruhe zum musikalischen Erfolg wird, ist in erster Linie den Solistinnen zu verdanken, die es großartig verstehen, die jeweiligen Charaktere lebensecht darzustellen: Es ist ein erschütternder Todeskampf, an dem etwa Melanie Lang (als Priorin Madame de Croissy) die Zuschauer teilhaben lässt. Weich und mütterlich agiert ihre Nachfolgerin Madame de Lidoine (Ann-Beth Solvang); ihre lyrischen Gesangslinien vermitteln eine tiefe Frömmigkeit. Christina Niessen gibt Mère Jeanne eine natürliche Autorität; entschlossen und konsequent handelt Dorothea Spilger als Mère Marie, ihr stählerner Mezzosopran gibt Zeugnis davon.
Mit Klarheit verkörpert Tara Erraught die Protagonistin Blanche de la Force, schwankend zwischen Furcht und tiefem Glauben, und ihre geschmeidige Stimme wechselt dabei mühelos bis ins feinste Pianissimo. Einen hellen Kontrast dazu bildet die junge Soeur Constance: Der glockige Sopran und der leichte Plauderton von Anastasiya Taratorkina vermitteln jugendliche Begeisterung und eine überströmende Freude am Klosterleben im allgemeinen.
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Auch die männlichen Rollen überzeugen - etwa mit Armin Kolarczyk als Marquis de la Force, Brett Sprague (als Chevalier de la Force), Klaus Schneider (als Beichtvater) oder Christian Noel Bauer in der Mehrfach-Rolle als Thierry, Dr. Javelinot und Kerkermeister. Ergänzt werden die Solistinnen schließlich durch die Damen des Chores (Einstudierung: Marius Zachmann); die letzte Szene, der Gang zur Hinrichtung, ist ein ergreifendes Glaubenszeugnis – auch mit menschlichen „Zwischentönen“ wie Trauer oder Angst.
Fazit: Empfehlenswert, auch mehrmals.


Der Opernfreund, Ludwig Steinbach, 18.2.2026

Georges Bernanos‘ im Jahr 1949 herausgegebenen Dialoge der Karmeliterinnen nahm der Komponist als Grundlage für das von ihm selbst verfasste Libretto zu seiner Oper, die an der Staatsoper Karlsruhe jetzt einen enormen Erfolg für sich verbuchen konnte.
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Er [Johannes Willig] animierte die hervorragend disponierte und seine Anweisungen konzentriert umsetzende Badische Staatskapelle zu einem spannungsgeladenen, farbenreichen und differenzierten Spiel, wobei er die Einflüsse von Debussy und der Grande Opéra trefflich betonte.
Überzeugend war die Inszenierung von Andrea Schwalbach in dem Bühnenbild von Anne Neuser und den Kostümen von Brigitta Leonhardt. Geschickt hat das Regieteam die dramatische Handlung in die Entstehungszeit des Werkes, die Mitte der 1950er Jahre verlegt. Da sprechen die gelungenen Kostüme eine deutliche Sprache.
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Zentrales Element dieser Inszenierung ist ein Gerichtssaal. Eindringlich geht die Regisseurin der Frage nach, wie aus einem ursprünglichen Ort des Rechts unter der Diktatur der Jakobiner ein Ort des Unrechts und des Schreckens werden konnte, wo Verbrecher auf der Richterbank sitzen. Das war ein überzeugender Ansatzpunkt und in der Folge einprägsam umgesetzt.
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Hier haben wir es mit einer gut durchdachten, spannenden und von einer ausgefeilten Personenregie geprägten Inszenierung zu tun, die dem Badischen Staatstheater Karlsruhe alle Ehre macht. Insbesondere die zwischenmenschlichen Beziehungen sind seitens der Regie vorzüglich herausgearbeitet.
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Tara Erraught hat die Entwicklung der Blanche darstellerisch gut aufgezeigt und entsprach auch stimmlich mit gut fokussiertem, nuancen- und farbenreichem Sopran ihrer Rolle voll und ganz.
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Melanie Lang lebte die Todesqualen der Madame de Croissy äußerst packend aus. Mit ihrem intensiven, emotionalen Gesang war sie ebenfalls ein echter Gewinn für die Aufführung. Ein sowohl schauspielerisch als auch vokal eindringliches Rollenportrait der Mére Marie kreierte die für die erkrankte Dorothea Spilger eingesprungene Carmen Seibel vom Staatstheater Saarbrücken. Mit großer Lebenslust und Frische stattete Anastasiya Taratorkina die Soeur Constance aus, die sich auch angenehm und vorbildlich fundiert sang. Voll und rund intonierte Ann-Beth Solvang die Madame Lidoine.
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Einen vorbildlich fokussierten, ebenmäßig dahinfliessenden und ausdrucksstarken Tenor brachte Klaus Schneider für den Beichtvater des Karmel mit. Der Marquis de la Force von Armin Kolarczyk zeichnete sich durch erstklassiges, sonores Bariton – Material aus.
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Fazit: Eine Aufführung, die die Fahrt nach Karlsruhe gelohnt hat! Diese famose Produktion stellt sicher einen Höhepunkt des Spielplans des Badischen Staatstheaters dar.


Termine

Diese Produktion wird am 7.5.2026 zum letzten Mal aufgeführt.

Zur Zeit liegen keine Termine vor.

Besetzung