Theater der Zeit (online), Elisabeth Maier, 11.12.2025
„Wie einst Jahn mit seiner „Wienerwald“-Kette, macht dieser Leopold sein Geschäft mit den Träumen der kleinen Leute vom Fast-Food-Luxus. Solche Parallelen reizen Regisseur Tom Kühnel und sein Team mit viel Witz aus.
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Das gilt auch für Johannes Hofmanns großartige Partitur. Der Komponist spielt mit musikalischen Motiven der Pop-Kultur. Die verpackt er in moderne Arrangements – und erforscht mit der Pop-Oper ein ungewohntes Genre. [...] Dass alle Dialoge gesungen werden, verblüfft das Publikum. Die Härte von Horváths Sprache gewinnt so eine Tiefenschärfe, die in den schroffen Dialogen des Textes verloren geht. In den Moll-Melodien offenbart sich die Sehnsucht der Menschen nach Liebe und nach einem besseren Leben.
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Swana Rode schlägt in der komplexen Frauenrolle verblüffende Töne an. Mit schnodderiger Miene kämpft sie sich durchs Leben. Diese starke Frau, die vor Leidenschaft glüht, ist alles andere als das Opfer, als das Horváth Marianne zeichnete. Rode lacht, schreit und zelebriert die Befreiung ihres Körpers wie ein Fest. [...] Mit einer wunderschönen akrobatischen Einlage verleiht Rode selbst dem Abstieg ihrer Figur eine zauberhafte Größe.
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Johannes Hofmanns und Tom Kühnels Pop-Oper verblüfft, verstört und zeigt ungewohnte Perspektiven im Musiktheater auf. [...] Dass politische Diskurse im gesungenen Dialog klug und leicht zu verhandeln sind, führt die aufregend innovative Produktion gekonnt vor Augen.
Badische Neueste Nachrichten, Andreas Jüttner, 8.12.2025
[D]ie Musik hat eine bemerkenswerte Wechselwirkung mit den Dialogen. Erstens macht sie den Text gerade durch die Verfremdung glaubwürdiger. Denn wenn alle Dialoge gesungen werden, muss das Publikum ohnehin jeglichen Realismus im eigenen Kopf herstellen. Zweitens werden in dieser Musik die inneren Wünsche der Personen spürbar. Und die Kluft zwischen eingängigen Klängen und aggressiven Dialogen unterstreicht: Diese Figuren werden ihre Träume nie verwirklichen können, weil ihnen schon ihr eigenes Wesen im Wege steht.
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Der Abend beginnt wie die Parodie eines ranschmeißerischen Musicals, wobei das Dramenpersonal zu fingerschnippendem Jazz-Pop wie singende Comicfiguren agiert.
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[Später] hat die Szenerie die ernüchternde Wucht eines Sozialdramas von lakonischer Ausweglosigkeit.
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Das eindrucksvolle Zusammenwirken von Schauspiel, Klang und Licht wird stets erzählerisch gezielt eingesetzt.
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[E]in Erlebnis, das lange nach dem Schlussapplaus noch nachhallt.
nachtkritik.de, Steffen Becker, 7.12.2025
Die Geschichte wird viel stärker durch Klangstimmungen als durch die Dialoge getrieben. Was zur Kernfrage führt – funktioniert das Konzept? Ja. Ein Tango leitet das Anbandeln zwischen der lebenshungrigen Marianne und dem Hallodri Alfred ein, eine Wiedergänger-Melodie des NDW-Hits "Goldener Reiter" gibt der vorangehenden Verlobung mit dem grobschlächtigen Oskar den musikalisch unguten Stern mit. Die Musik spiegelt den literarischen Sound des Werkes.
Die hervorragende Band, platziert im Bühnen-Hintergrund, hat einiges zu tun. [...] Man merkt der Inszenierung dabei an, dass Komponieren und Proben aufeinander abgestimmt waren. Die Musik ist den Schauspielerinnen und Schauspielern (...) auf Leib und Stimme geschneidert.
Die vollständige Rezension lesen Sie hier.
Die Rheinpfalz, Birgit Möthrath, 9.12.2025
Der Ton ist (...) lakonisch (...). Die Figuren scheinen um die Ausweglosigkeit ihres Strebens aus der Tristesse zu wissen. Doch es gibt auch mitreißende Passagen und wahre Ohrwürmer (...). Solcher Momente wegen hat die Produktion das Potenzial zum Publikumsrenner.
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Ausgezeichnet wird das Stück live begleitet von einer vierköpfigen Band mit Landes-Jazzpreisträger Lukas DeRungs (Keyboard), Elisa Herbig (Cello), dem Julian Losigkeit (Schlagzeug) und Tobias Schmitt (Gitarre und Bass).
Termine
Diese Produktion wird am 11.7.2026 zum letzten Mal in dieser Spielzeit aufgeführt.
Sonntag, 15.3., 18:00 - ca. 20:25
Kleines Haus
Keys und Bandleitung: Konrad Hinsken
41,00 - 14,00 Euro