13 Fragen an die Regieteams
Wie würdest du Karlsruhe charakterisieren?
Johannes Wenzel Neben der schönen Gegend und anderen typischen Vorzügen finde ich es bemerkenswert, wie vergleichsweise stabil und offen diese Stadtgesellschaft durch diese spannungsreichen Zeiten geht.
Hast du schon einen Lieblingsplatz?
Stephan Kimmig Den botanischen Garten.
Brit Bartkowiak Die Espressobar in der Abendsonne mit einem Glas Wein.
Worauf freust du dich besonders?
Redjep Hajder Karlsruhe ist meine Heimatstadt, hier war ich das erste Mal im Theater. Als Regisseur nun hierherzukommen, ist eine sehr besondere und aufregende Sache!
Warum Theater?
Tuğsal Moğul Weil Theater unmittelbar, hautnah emotional, jede Vorstellung einmalig und für mich infizierend ist.
Johannes Wenzel Es ist und bleibt einer der wichtigsten Orte für Fragen und Auseinandersetzungen über die Art und Weise, wie wir zusammenleben. Mit dem großen Geschenk, die Vorstellungskraft, die Gedanken und die Fantasie aller Beteiligten und Anwesenden aufzunehmen und anzuregen – stellvertretend, im Spiel wie im Ernst, Gemeinschaft zu sein und herzustellen.
Wie würdest du deine künstlerische Handschrift beschreiben?
Jana Vetten Körperlich, bildstark, politisch.
Stephan Kimmig Frei, tiefengebohrt, ambivalent.
Dein schönstes Toi-toi-toi-Geschenk?
Tuğsal Moğul Vom ganzen Team „Theater Operation“ eine kleine Friedenstaube als Goldkette.
Antonina Brühl Eigentlich war jedes Toi-toi-toi-Geschenk besonders, weil die meisten persönlich sind und einer eigenen Idee entspringen.
Wann ist ein Theaterabend für dich gelungen?
Jana Vetten Wenn ich eine neue Perspektive kennengelernt habe. Wenn ich sinnlich, emotional und gedanklich eine Reise gemacht habe.
Mira Stadler Wenn ein Abend das Publikum wirklich berührt. Wenn man spürt, dass etwas auf der Bühne verhandelt wird, das über den Moment hinausreicht. Idealer weise verlässt man den Saal mit mehr Fragen als Antworten.
Dein Super-GAU?
Mira Stadler Wenn auf der Bühne nur noch Routine passiert und niemand mehr wirklich etwas riskiert. Der Moment, in dem weder Ensemble noch Publikum innerlich beteiligt sind.
Was machst du zwischen den Proben?
Tuğsal Moğul Auftanken, ausruhen, Aufgaben für die kommende Probe erledigen.
Dein theatraler Schlüsselmoment?
Redjep Hajder Zusammen mit meiner Abiklasse habe ich hier in Karlsruhe Dantons Tod gesehen. Es war völlig überfordernd. Und megageil – wie ein Rätsel, das man nicht auf Anhieb versteht, aber das doch etwas von einem will. Die Inszenierung kann ich bis heute nicht vergessen.
Das Beste an deinem Beruf?
Jana Vetten Auf der Probe zu sein und dort spielerisch und im Austausch mit anderen die Fragen zu erforschen, die uns gerade umtreiben.
Stephan Kimmig Die Energie, die entsteht durch die gemeinsame Zeit, weil mit so vielen verschiedenen Menschen und Berufen am Theater gearbeitet und geackert wird, um ein gemeinsames tolles, komplexes Produkt herzustellen.
Was hättest du gerne früher über Theater gewusst?
Antonina Brühl Dass man alle Abteilungen im Theater mit Zahnrädern in einer großen Maschine vergleichen kann, die ineinandergreifen müssen. Damit die große Maschine arbeiten kann, darf kein Rädchen übersehen werden.
Johannes Wenzel Dass es mit zunehmender Erfahrung nicht einfacher wird.
Wie siehst du die Zukunft des Theaters?
Stephan Kimmig Immer wichtiger, da wir da live sehen können, dass wir uns immer auch anders entscheiden könnten, als wir es vielleicht getan haben, denn wir haben bei viel mehr Dingen eine Wahl, als wir oft denken. Und das können wir spüren, miterleben im Theater, zumindest wenn die Aufführung offen und in Suchbewegung präsentiert wird.
Mira Stadler Die Stärke des Theaters liegt darin, dass alles live geschieht – als kollektive Erfahrung zwischen Bühne und Publikum. Jedoch braucht man Zeit und vor allem Geld, um eine besondere kollektive Erfahrung zu kreieren. Deswegen kann die Zukunft nur darin liegen, dass auch die Politik an den Zauber der Kunst glaubt und entsprechend finanziert.
Brit Bartkowiak Theater ist ein Ort der Begegnung, des Geschichtenerzählens, des Perspektivwechsels und des Übens von Empathie. Welche Gesellschaft könnte auf so einen Ort verzichten?!
