Green Culture am Badischen Staatstheater
Das Staatstheater Karlsruhe nimmt seine Verantwortung in Sachen Klimaschutz ernst und erklärt Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Organisationsziel. Nachhaltigkeit steht nicht zwangsläufig in einem Widerspruch zur Kunstfreiheit. Eine nachhaltige Kultur muss nicht Weniger bedeuten. Als Theaterschaffende können wir die Herausforderungen der Klimakrise als Chance begreifen und die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaftsform mit vorantreiben. Unsere größte Ressource ist die Kreativität, Neues auszuprobieren.

Ab der Spielzeit 2024/25 startet das Badische Staatstheater mit der neu geschaffenen Stelle einer Transformationsmanagerin Nachhaltigkeit Kultur in einen umfassenden Nachhaltigkeitsprozess. Das Ziel: eine ökologisch nachhaltig agierende Kulturinstitution zu werden. Ein wesentlicher Bestandteil auf diesem Weg ist in der Analysephase eine jährliche Erstellung von Klimabilanzen des Hauses. Daraus werden im ko-kreativen Prozess mit den Beschäftigten Handlungsfelder abgeleitet, durch die systematisch die Senkung von Treibhausgasemissionen angestrebt wird.
Die Bilanzierung der Treibhausgasemissionen erfolgt auf Basis des Greenhouse Gas Protocols (GHG), dem international am weitesten verbreiteten und anerkannten Standard für Klimabilanzierung. Nach einer ersten Bilanz für das Jahr 2022, entsteht nun im Rahmen des Förderprogramms Klimaschutz in Kultureinrichtungen der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg mit Unterstützung der in diesem Bereich führenden der Unternehmensberatung Arqum eine zweite Bilanz für 2023. Schon jetzt sehen wir, dass die größten Emissionsfaktoren und Handlungsfelder in den Bereichen Energie und Mobilität liegen.
Als Pilotprojekt einer klimaneutralen spartenübergreifenden Staatstheater-Produktion werden die Mixed-Reality-Stationen Paradise Found im Rahmen des Programms Fonds Zer0 der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Der Fonds Zer0 unterstützt Institutionen bundesweit bei der Umsetzung künstlerisch innovativer und zugleich klimaneutraler Projekte in den Jahren 2023 bis 2026. Dabei handelt es sich bei den ausgewählten Projekten um thematisch vielseitige Vorhaben von großen und kleinen Institutionen der Sparten (Musik-)Theater, Tanz, Musik, Literatur, Kulturgeschichte sowie Bildende Kunst. Die geförderten Projekte verfolgen den in den Förderrichtlinien vereinbarten Zielpfad zur Klimaneutralität entlang der Reihenfolge „Vermeiden, Reduzieren, Kompensieren“, um im Rahmen des Programms modellhaft einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und langfristige Strategien abzuleiten.
Grund zur Freude: Mit Flow, der 2025er Ausgabe der „Tage der Nachhaltigkeit" hat das Staatstheater den renommierten OPUS KLASSIK Innovationspreis für Nachhaltigkeit erhalten! Als Teil des Netzwerks Orchester des Wandels sind wir stolz, mit diesem außergewöhnlichen Projekt Aufmerksamkeit für die Verbindung von Kunst und ökologischer Verantwortung zu schaffen. Der OPUS KLASSIK ist der bedeutendste deutsche Preis für klassische Musik und würdigt herausragende musikalische Leistungen. Im Rahmen von FLOW – Tagen der Nachhaltigkeit haben wir gemeinsam mit zahlreichen Karlsruher Institutionen zentrale Zukunftsfragen gestellt: Wie können wir Räume gestalten, in denen Zukunft nicht nur gedacht, sondern auch gefühlt und gestaltet werden kann?
Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe
Das Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe hat sich zum Ziel gesetzt, sich gegenseitig bei ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigem Handeln im Kulturbetrieb zu unterstützen. Das Netzwerk vereint zu diesem Zweck bestehende Bemühungen engagierter Institutionen und Personen aus dem Stadtgebiet Karlsruhe. Es vereint bestehende Initiativen engagierter Institutionen und Einzelpersonen aus Karlsruhe und schafft eine Plattform für Austausch und Zusammenarbeit.
Das Netzwerk bietet Raum, um Wissen und Erfahrungen zu teilen, gemeinsam Programme für eine nachhaltige Kultur zu entwickeln und positive Zukunftsvisionen zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei die Suche nach und das Erzählen von Erfolgsgeschichten – inspirierende Beispiele nachhaltiger Praxis sollen sichtbar gemacht und weitergegeben werden.
Die Netzwerk-Treffen stehen allen offen, die im Kultur- und Bildungsbereich tätig sind: Institutionen, Initiativen, Verbände, städtische Vertreter:innen sowie kulturnahe Unternehmen.
Mit dabei: Badisches Landesmuseum, Badisches Staatstheater Karlsruhe, KAT Karlsruher Transformationszentrum für Nachhaltigkeit und Kulturwandel (KAT), Karlsruher Institut für Technologie (KIT), KTG Karlsruhe Tourismus GmbH, Orchester des Wandels, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Stadtbibliothek Karlsruhe, Substage Karlsruhe e. V., TOLLHAUS Karlsruhe Freier Kulturverein e. V., ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, TRIANGEL Transfer | Kultur | Raum
Paradise Found - Wo ist dein Paradies?
Im spartenübergreifenden Projekt Paradise Found entsteht aus Gesprächen mit Karlsruher Bürger:innen zur Frage “Wo ist dein Paradies?” eine Mehrsparten-Oper in zwölf Episoden. Die über zwei Spielzeiten wachsende Oper wird auf energieautarken Mixed-Reality-Stationen aus recycelten Elektronikteilen an verschiedenen Orten in der Stadt erlebbar. Durch einen transparenten Bildschirm blicken wir auf einen realen Ort. Wir sehen Performer:innen aus den Ensembles der verschiedenen Sparten des Staatstheaters, die als Overlay über dem realen Stadtraum die Geschichte eines/einer Bürger:in erzählen. Die Realitäten überlagern sich und schaffen eine neue, ganz persönliche Perspektive auf scheinbar vertraute Orte.
Der Komponist Paul Brody komponiert aus den Sprachmelodien der Interviews die Musik der einzelnen Episoden, das Libretto bleibt das gesprochene Wort der Karlsruher:innen – gesungen, gesprochen und getanzt von den verschiedenen Ensembles des Badischen Staatstheaters. Ein Gesamtkunstwerk aus der Stadt Karlsruhe – für die Stadt Karlsruhe.
Wie lassen sich zwei der drängendsten Aufgaben unserer Zeit – Digitalität und Nachhaltigkeit – in Einklang bringen? Ist ein an Technologie interessiertes “Digitaltheater” unter nachhaltigen Aspekten künstlerisch und produktionstechnisch überhaupt möglich? Inwiefern kann Digitalität zur Nachhaltigkeit beitragen? Wir, als eine der größten Kulturinstitutionen Karlsruhes, wollen herausfinden, wie sich diese oft antagonistisch gedachten Diskurse unserer Gesellschaft im Kontext eines Staatstheaters zusammenbringen lassen. Wir möchten uns der Aufgabe stellen, Fortschritt und Rückbesinnung, Avantgarde und Recycling sowie Digitales und Handgemachtes in eine befruchtende Symbiose zu bringen.
Wir möchten uns in diesem Rahmen auch die Frage stellen, wie wir einen Teil unserer Kunst nachhaltig in die Stadtgesellschaft (zurück-) bringen und dadurch CO2-emittierende Anfahrtswege des Publikums reduzieren können. Und nicht zuletzt wollen wir herausfinden, ob wir so auch eine soziale und schwellensenkende Nachhaltigkeits-Dimension erreichen können.
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